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08.10.2016
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Käpt'n Cookooning

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08.10.2016

Ein Koch, seine Wohnung – und am Ende des Abends fühlen sich die Gäste daheim: Bei Secret Supper Clubs werden Fremde zu Vertrauten. Die private Gastronomie ist Teil einer neuen Bewegung.

„Hoffentlich wird’s was“, sagt Daniel Grothues, kippt einen Schuss Olivenöl in den Bräter, spießt Speck und Garnelen auf Holzstäbchen und legt sie hinein. Es ist kurz vor acht, die ersten Gäste klingeln gleich, sie haben sich auf seine Einladung hin für „Daniel’s Eatery“ angemeldet, einem Secret Supper Club in Berlin-Prenzlauer Berg. Der 38-Jährige ist Gastgeber und Koch zugleich, die Gäste kennt er nicht, denn darum geht es bei dieser Art privater Gastronomie: neuen Menschen näherkommen, vielleicht auch neue Freunde finden. „Ich lasse viel Nähe zu, wenn ich wildfremde Leute in meine Wohnung lasse und sie bekoche“, sagt Daniel. Denn die Gäste erkunden auch mal eigenständig die schicke Berliner Altbauwohnung mit Holzdielen, hohen Wänden und Stuck an der Decke.

Secret Supper Clubs sind derzeit gefragt: Profi- oder Hobbyköche laden zu mehrgängigen Menüs zu sich ein – der Preis dafür steht entweder fest oder wird je nach Zufriedenheit vom Gast bestimmt. Sie nennen sich Browns Supper Club (Berlin), Gourmandpunk (München) oder Katchina Supper Club (Köln). Die Anzahl der Gäste ist limitiert – und vor allem: Wo und wann diese Underground Supper Clubs stattfinden, müssen Interessierte via Hörensagen erfahren – oder eine Recherche im Internet starten. Denn anmelden kann man sich meist über die Webseiten oder Facebook.

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Private Restauranterlebnisse wie diese sind Teil einer Bewegung namens Cookooning: eine Wortneuschöpfung aus Cooking (Kochen) und Cocooning (sich einspinnen), das Phänomen, dass Menschen sich in Wohnungen zurückziehen. Etwa in Secret Supper Clubs (auch Private Supper Clubs). Oder Kitchensurfing: Ein Koch besucht Gäste zu Hause. Wie bei Cookasa: Zusammengewürfelte Gruppen kaufen gemeinsam ein und kochen in der Küche des zufälligen Gastgebers. Oder bei Thermomix ® -Partys: Repräsentantinnen von Vorwerk demonstrieren die Vielfalt der Küchenmaschine bei einem privaten Abendessen. Was alle Events gemein haben: Sie sind so beliebt, weil sie ein Abenteuer versprechen. Und gerade in Großstädten wie Berlin oder München Menschen aus aller Welt zusammenkommen. Diese suchen Anschluss, Gemeinschaft und Nähe.

Christine Brombach, Professorin für Ernährung und Consumer Sciences an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, erklärt zum Thema Cookooning: Gemeinsames Essen ist die Urform des Zusammenseins. „Es gibt keine Gesellschaft, in der Menschen nur alleine essen.“ Höhlenzeichnungen und Kunstwerke deuten darauf auch in frühen Kulturkreisen hin. Wer nicht dabei war, war auch außerhalb der Gesellschaft: „Gemeinsames Essen verfestigt soziale Bande. Fremde, mit denen ich einen Tisch teile, sind keine Fremden mehr.“

Es klingelt. Daniel stellt die Wasserkaraffen auf das Sideboard im Esszimmer und läuft zur Wohnungstür. „Sind wir richtig?“, ruft eine weibliche Stimme durch das Treppenhaus. „Immer dem Duft nach“, antwortet Daniel. Während die Ersten hereinkommen, klingeln die Nächsten. Innerhalb kürzester Zeit sind alle acht Gäste im Secret Supper Club, Daniels Wohnung, angekommen – Daniel empfängt sie mit Weißbrot mit Zitronen-Meersalz-Butter.

Die Gäste des Secret Supper Clubs: Sophie ist junge Mutter von drei Kindern. Seit zwei Jahren wartet sie darauf, einen Gutschein für „Daniel’s Eatery“ einzulösen, sie hat sich heute Abend mit ihrer Mutter Brigitte, einer pensionierten Lehrerin, endlich eine Auszeit genommen. Dann: Barbara ist mit ihrer Freundin Daniela da – sie betreibt die Kaffeerösterei „Friedl Rösterei & Kekse“, im selben Kiez, in dem Daniel wohnt. Außerdem: Anita und Thomas, auch er hat etwas mit Essen zu tun, als Geschäftsführer der Restaurantkette -„Pasta Deli“ in Berlin. Schließlich: Daniel und Astrid, die für einen Energieversorger und für einen Online-Händler arbeiten.

Daniel öffnet die hohe, weiße Flügeltür, die vom Wohn- zum Esszimmer führt. Die Wände sind nachtblau gestrichen, weiße Designer-Stühle stehen um den Holztisch. Der Duft der Suppe hängt in der Luft, Kerzenlicht spiegelt sich in den Weingläsern. Die Gäste des Secret Supper Clubs raunen anerkennend. 

„Ich fühle mich hier entspannter als im Restaurant“, sagt Daniel, Astrids Begleitung, und setzt sich. Astrid ist zum zweiten Mal bei „Daniel’s Eatery“. „Für mich ist der Reiz vor allem, neue, nette Menschen kennenzulernen“, sagt sie. „Man lebt ja sonst in einer sozialen Blase“, kommentiert Thomas. Während er das erzählt, starten die anderen Secret Supper Club Teilnehmer mit ersten Anekdoten – über Hochzeiten und den Trip nach Indien. Das Lachen dringt auch zu Daniel in die Küche.

Er steht jetzt wieder am Herd. „Ich habe ein gutes Gefühl. Die meisten tauen auf, wenn sie mal am Esstisch sitzen.“ Die Kressesuppe mit Surf ’n’ Turf von Speck und Garnele kommt sehr gut an – Reste des ersten Gangs werden klangvoll aus den Suppentellern gelöffelt. Als Daniel abräumt, werden die Teller von Hand zu Hand zu ihm gereicht. Eine gemeinschaftliche Geste im Secret Supper Club.

Thomas, der vier Geschwister hat, genießt die große Runde am Tisch: „Das hier ist ein bisschen wie früher, als ich mit meiner Großfamilie am Tisch saß.“ Er erzählt von damals, unter anderem von dem Plätzchenrezept seiner Großmutter, „Zimt-sterne mit Füßen“. Barbara am Kopfende des Tisches interessiert das, sie verkauft in ihrem Laden auch Kekse – und ist auf der Suche nach einem Zimtstern-Rezept. „Mach doch die meiner Oma“, schlägt Thomas vor, „dann kaufen wir sie bei dir.“ Alle lachen.

Zurück in der Küche. „Manchmal ist es schade, wenn man Gegacker hört, aber nicht weiß, warum.“ Es ist jetzt kurz vor zehn, Daniel schneidet eine Meerrettich-Wurzel in dünne Scheiben, kippt sie in die Pfanne. Die Meerrettich-Chips gehören zum Hauptgang: Hirschrückenfilet mit einer Earl-Grey-Rotwein-Reduktion, dazu eine Rote-Bete-Polenta-Schnitte mit Rosenkohl in süßsauren Heidelbeeren. Daniel kocht deutsche Küche „mit Twist“, wie er es nennt. Kochen mit Inspiration und dem Mut zu neuen Kombinationen.

Variationen, wie die Gäste sie lieben. Wie die brasilianischen Karottenküchlein zum Dessert. Oder die französischen Käsevariationen mit Gin-Zwiebel-Marmelade und Lakritz-Mayonnaise als Gang Nummer fünf im Secret Supper Club. Obwohl eigentlich alle satt sind. Ein bekanntes Phänomen, wie Ernährungssoziologin Christine Brombach zu berichten weiß: Menschen, die in Gesellschaft speisen, schmeckt es besser, und sie essen auch mehr.

Als die Gäste um 1.15 Uhr gehen, werden Visitenkarten ausgetauscht. Brigitte will am Montag in Barbaras Kaffeerösterei kommen. Anita zieht sich ihre Jacke an und meint: „Es ist erstaunlich, wie man durch so ein Dinner so schnell fremden Menschen nah ist.“ Als sich auch der letzte Gast verabschiedet hat, steht Daniel im Flur und sagt: „Hat ja alles geklappt.“

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