Rubriken
Erleben
Genießen
Zuhause sein
Weiterdenken
Vorwerk Kultur
Teilen
Twittern
19.07.2019
Intelligente Haushaltshelfer

Wie viel Roboter wollen wir wirklich?

Teilen
Twittern
19.07.2019

Die Digitalisierung hat eine rasante Entwicklung in den Bereichen Automatisierung und Robotik ausgelöst – auch im privaten Umfeld. Im Smart Home könnten künftig zahlreiche Hausarbeiten von Maschinen übernommen werden. Doch wie intelligent sollten diese sein? Und wie autonom handeln? Fragen, die sich auch Dr. Axel Bilsing in seiner täglichen Arbeit bei Vorwerk stellen muss. Ein Gespräch über Erfolgsdruck bei neuen Entwicklungen, das Sammeln von Daten und die Zukunft der Robotik.

Dr. Axel Bilsing

promovierte in Maschinenbau und arbeitete anschließend für verschiedene Familienunternehmen, bevor er 2017 zu Vorwerk wechselte. Mit der Kombination aus technischem und betriebswirtschaftlichem Knowhow übernimmt er seitdem die Rolle des Programmmanagers für das Thema „Robotik“. 

Moderne Sensortechnik, Machine Learning, Künstliche Intelligenz – bei der Weiterentwicklung von Robotern scheint noch vieles möglich. Herr Bilsing, wie groß ist die Angst, auf die falsche Technik zu setzen?

Ich persönlich spüre keine Angst und mache mir auch keine Sorgen, dass wir als Unternehmen auf das falsche Pferd setzen könnten. Vorwerk hat dank des engen Kontakts zu unseren Kunden einen guten Einblick in deren Bedürfnisse. Aber es stimmt: Gerade das Thema Robotik ist sehr dynamisch und es drängen sehr viele Wettbewerber in den Markt.

Also ist da doch ein gewisser Erfolgsdruck, den Anschluss nicht zu verpassen?

Natürlich geht es darum, relevant zu sein und möglichst schnell auf Entwicklungen zu reagieren – wie in anderen Bereichen aber ja auch. Wichtig ist dabei, Innovationen nicht zum Selbstzweck voranzutreiben. Wir werden ein neues technisches Feature nicht nur deshalb implementieren, weil es gerade als „fancy“ gilt. Das kann zu Irrwegen führen und ist nicht unsere Philosophie. Stattdessen versuchen wir, uns viel Fingerspitzengefühl zu bewahren und uns stark an der Frage zu orientieren, was denn die Kernaufgabe eines Roboters sein soll.

Die da wäre?

In unserem Fall, beim Kobold VR300, erst einmal das Saugen der Wohnung. Aber natürlich könnten das auch Dinge sein wie Rasenmähen, Wischen, Fensterputzen. Diese Liste kann man weiterführen. Der typische Haushaltsroboter soll seinen Besitzer von Dingen entlasten, die er nicht unbedingt selbst machen will oder muss.

Wir implementieren Technik nicht nur, weil sie fancy ist.

Der Roboter als Werkzeug also?

Ja, sehr zugespitzt kann man das so sagen. Wobei wir dem Roboter schon eine gewisse Autonomie zutrauen oder zuordnen. Es ist auffällig, wie viele unserer Kunden ihrem VR200 oder VR300 einen Namen geben, was sie bei einem normalen Handstaubsauger nicht oder nur sehr selten tun. Und in gewisser Weise soll der Roboter ja auch möglichst autonom handeln und seine Aufgabe erledigen, ohne den Besitzer zu belästigen.

Beim Stichwort „autonome Roboter“ gehen bei vielen Menschen die Alarmglocken an. Wie steht Vorwerk zu Machine Learning und dem Thema Künstliche Intelligenz?

Bei diesem Thema gibt es ja nicht nur schwarz oder weiß, sondern ganz verschiedene Implementierungsebenen. Heute wird Machine Learning schon genutzt, damit sich der Roboter im Raum orientieren kann. Das heißt aber nicht, dass der Roboter wahllos alle möglichen Daten sammelt und aus diesen lernt. Das Horrorszenario, das viele mit KI verbinden, besteht ja genau darin: dass wir Menschen nicht mehr wissen, welche Informationen der Roboter sammelt und welche Schlüsse er daraus zieht.

Wir trauen dem Roboter schon eine gewisse Autonomie zu.

Mit dem Sammeln von Daten sprechen Sie ein weiteres sensibles Thema an.

Ja, durchaus. Es geisterte immer wieder mal das mögliche Szenario durch die Presse, dass Daten aus der Robotik-Branche an andere Unternehmen, zum Beispiel für gezieltere Werbung, weitergegeben werden. Ich weiß nicht, inwiefern das der Praxis entspricht. Wir werden aber hundertprozentig die Finger von so etwas lassen.

Noch einmal: Ziel muss es sein, dass der Roboter jene Daten erfasst, die er für die Ausübung seiner Kernaufgabe benötigt. Der letztere Bereich ist natürlich etwas, über den in der technischen Entwicklung häufiger diskutiert wird. Hier führen auch wir immer mal wieder Diskussionen mit unserem Partnerunternehmen Neato Robotics aus Kalifornien.

Was sind Bestandteile solcher Diskussionen?

Es geht um kleine Details und die Frage, wo wir Prioritäten setzen. Was ist in der Entwicklung wichtiger? Ist es die Langlebigkeit, die Reinigungsleistung, die Navigationsfähigkeit oder die Möglichkeit, den Roboter via Spracheingabe zu steuern? Unsere Unternehmen kommen mit ganz unterschiedlichen Entwicklungsphilosophien zusammen – und wir müssen eine gemeinsame Linie finden, um so unsere Stärken zu nutzen.

Etwas vereinfacht: Neato ist ein Unternehmen mit hoher Robotik-Expertise, das zufällig auch einen Staubsauger entwickelt. Vorwerk bzw. Kobold hingegen ist ein Staubsauger-Unternehmen mit überlegenem Knowhow im Bereich der Reinigungsleistung, das zufällig einen Roboter im Sortiment führt. Eine Zusammenarbeit zweier solcher Firmen war bislang eher ungewöhnlich. Der Austausch – und dazu gehören eben auch Diskussionen – ist ein großer Vorteil, welchen wir nutzen, um unseren Kunden mithilfe von Robotik bessere Produkte anzubieten.

Am Ende sollte der Mensch die Entscheidung tragen, nicht die Maschine.

Wie viel Roboter wollen wir denn?

Ich glaube nicht, dass wir menschenähnliche bzw. völlig autonom entscheidende Roboter möchten. Es wäre zum Beispiel technisch denkbar, dass uns der Thermomix® künftig vorschreibt, welches Gericht wir essen sollten, weil das Gerät wüsste, welche Lebensmittel im Kühlschrank stehen und als erstes ablaufen. Am Ende sollte aber immer im Vordergrund stehen, dass der Mensch die Entscheidung trägt und nicht die Maschine.

Würden Sie Ihre Hausarbeit an einen Roboter abgeben?

Weiterlesen

Weiterdenken
“Wir glauben, dass Roboter soziale Superkräfte haben”
Roboter können Alleinlebenden und älteren Menschen eine soziale und praktische Hilfe sein. Wir sprachen mit dem Erfinder eines ersten Prototyps.
Weiterdenken
3 einfache Energiespartipps für Ihren Alltag
Der internationale Tag des Energiesparens ist eine gute Gelegenheit, den eigenen Stromverbrauch zu hinterfragen. Wir zeigen Ihnen drei Ideen, mit denen Sie ganz einfach Energie einsparen können.
Weiterdenken
Bekommen wir bald den Super-Akku?
Wann haben Sie sich zuletzt über den leeren Akku ihres Smartphones geärgert? Unsere zwei Experten erklären Ihnen, wie Sie Ihren Akku schonen – und ob Sie sich Hoffnung auf bessere Technik machen dürfen.