NACHHALTIGKEIT

IM INTERVIEW: PROFESSOR JÖRN HENDRICH BLOCK

„FAMILIENUNTERNEHMEN DENKEN LANGFRISTIGER“

Je mehr Familienunternehmen in einer Region ansässig sind, desto innovativer ist sie. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung1 der Universität Trier. Dabei bevorzugen die Firmen ländliche Gegenden in Metropolregionen – und bleiben diesen in der Regel auch dauerhaft verbunden. 

Im Westen viel Neues: Innovative Familienunternehmen konzentrieren sich auf bestimmte Regionen, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Das fanden die Wissenschaftler Professor Jörn Hendrich Block und Frank Spiegel heraus. Sie untersuchten 326 Kreise und ihre industriellen Unternehmen. Innovative Familienunternehmen sind dabei häufig in ländlichen Gegenden in der Nähe zu Metropolregionen angesiedelt. Die meisten innovativen Familienunternehmen sind dabei in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg ansässig, viele von ihnen Hidden Champions, die als Weltmarktführer in Nischengebieten punkten.

Im Interview erläutert Professor Jörn Hendrich Block, was erfolgreiche Familienunternehmen auszeichnet und was andere Betriebe von ihnen lernen können. 

Herr Professor Block, Sie haben herausgefunden, dass Familienunternehmen die Region und ihre Innovationskraft in besonderem Maße stärken. Was machen sie besser als andere Unternehmen? 

Sie richten ihr Geschäft langfristig aus. Viele Familienunternehmen verfolgen eine klare Strategie über Jahre hinweg. Management und Eigentümer laufen in dieselbe Richtung. Das beschleunigt übrigens auch Entscheidungen im Tagesgeschäft. Und vom langfristigen Denken profitiert die Kundenbeziehung: Das über Jahre gewachsene Vertrauen ist nicht so schnell zu erschüttern. 

Wie sieht es mit dem Betriebsklima aus?

Zum gesamten Betriebsklima fehlen noch valide Zahlen. Was sich aber aus einzelnen Studien abzeichnet: In Familienunternehmen ist das Wir-Gefühl und die Identifikation mit dem Arbeitgeber stärker. Und die Betriebe entlassen seltener Mitarbeiter. Das gilt insbesondere für Krisenzeiten.

Gibt es auch Schattenseiten?

Konflikte innerhalb der Eigentümerfamilie können schlimmstenfalls das operative Geschäft belasten. Eine zweite Herausforderung ist es, Führungs- und Fachkräfte zu finden. Hier haben die Betriebe oft nur eine begrenzte Auswahl an Kandidaten. Nachfolgeprobleme sowie häufig ein fehlender direkter Draht zur großen Politik sind weitere Punkte. Oft fehlt industriellen Familienunternehmen im Gegensatz zu vielen Konzernen auch der direkte Draht zur Politik. 

Wie gehen die Familienunternehmen mit den Herausforderungen um?

Aus der Not machen sie oft eine Tugend. Der Fachkräftemangel zum Beispiel hat dazu geführt, dass die Familienunternehmen im Kreis Lüdenscheidt schon früh mehr für die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter getan und die Nähe zur regionalen Hochschullandschaft gesucht haben. Daraus entstand etwa das Institut für Umformtechnik (IFU). Anders gesagt: Familienunternehmen sind sehr pragmatisch und lösen auch solche Herausforderungen mit innovativen Ideen und Ansätzen.

1 Frank Spiegel und Jörn Block: Regionale Bedeutung von Familienunternehmen in Westdeutschland, 2011; Frank Spiegel und Jörn Block: Family firm density and regional innovation output: An exploratory analysis, 2013; Jörn Block: Geschäftsmodelle und Organisationsformen im ländlichen Raum – Familienunternehmen als Erfolgsfaktor?, 2013

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