FAMILIENUNTERNEHMEN

IM INTERVIEW: PROFESSOR PETER MAY ZUM ERFOLGSMODELL FAMILIENUNTERNEHMEN

„WIR LEBEN IN REVOLUTIONÄREN ZEITEN“

Prof. Dr. Peter May gehört zu den führenden Experten, wenn es um Familienunternehmen geht. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Gründer der INTES, die Unternehmer und Familien zu inhaberstrategischen Themen berät und auf diesem Gebiet in Deutschland Marktführer ist. Was ein Familienunternehmen auszeichnet und warum der so genannte „German Mittelstand“ ein Erfolgsmodell ist, erklärt er im Interview.


Herr Prof. Dr. May, kürzlich haben Sie ein Buch mit dem Titel „Erfolgsmodell Familienunternehmen“ veröffentlicht. Inwiefern sind Familienunternehmen ein Erfolgsmodell?

Entscheidend ist die Inhaberschaft. Familienunternehmen haben eine Familie mit einem generationsübergreifenden Unternehmerverständnis als dominanten Inhaber. Das heißt konkret: Das Ziel im Familienunternehmen ist nicht, alle drei Jahre den Wert der Firma zu verdoppeln, sondern alle dreißig Jahre ein intaktes Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben.

Unternehmen müssen sich im Wettbewerb behaupten können. Was sind Vor- und Nachteile von Familienunternehmen?

Ein entscheidender Vorteil ist, dass Familienunternehmen langfristig denken und handeln. Ihr Planungshorizont umfasst nicht ein Quartal, sondern eine ganze Generation. Das macht sie unaufgeregter und weniger anfällig für kurzfristige Übertreibungen. Allerdings geht damit oft auch – anders als bei Vorwerk, Trumpf und anderen Hidden Champions – eine mangelnde Innovationskraft aufgrund eines nachlassenden Unternehmergeistes einher. Für Familienunternehmen spricht: Sie treffen in der Regel sehr schnelle und verantwortungsvolle Entscheidungen – bei denen aber auch immer familiäre Dynamiken zu berücksichtigen sind.

Was ist mit familiären Dynamiken gemeint?

Dass sich die Rollen und Positionen in der Familie und im Unternehmen gegenseitig beeinflussen und überlagern. Erfolgreiche Familienunternehmer sind deshalb immer auch Meister in der Kunst guter Family Governance. Sie haben verstanden, dass im Familienunternehmen nicht nur das Unternehmen professionell aufgestellt sein muss, sondern auch die Familie gemanagt sein will. Beide Systeme sind miteinander verzahnt und aufeinander angewiesen. Ohne Familie kein Familienunternehmen. Und ohne Unternehmen keine Unternehmerfamilie.

Ein Blick in die Zukunft: Vor welchen Herausforderungen stehen Familienunternehmen?

Wir leben in revolutionären Zeiten mit Veränderungen in vielen Bereichen: ökonomische Veränderungen durch die Globalisierung, technische Veränderungen durch das Internet und gesellschaftliche Veränderungen durch Individualisierung und Emanzipation. Diese vielen Dynamiken führen zu gewaltigen Herausforderungen, gleichzeitig aber auch zu neuen und großen Chancen. Familienunternehmen müssen ihre unternehmens- und familienspezifischen Herausforderungen erkennen und sich ihnen auch stellen. Nur so können sie in diesem sich wandelnden Umfeld wettbewerbsfähig bleiben.

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