Vorwerk
Berufung: Tee-Experte

„Ich möchte die Menschen für Tee begeistern“

Thomas Langnickel-Stiegler hat einen eher ungewöhnlichen Beruf: Er ist Tee-Experte und als solcher ein fester Bestandteil des Teams bei Vorwerk Temial. Mit seinem Fachwissen möchte er die Menschen für die Welt des Tees begeistern. Dieses Ziel verfolgt er mit einer Leidenschaft, die während des gesamten Gesprächs zu spüren ist. Mitunter muss sich der 37-Jährige sogar etwas bremsen, wenn er von Inhaltsstoffen spricht und von alten Teekulturen sowie deren Mythologie berichtet. Schließlich soll eigentlich er selbst im Fokus stehen – und die Frage: Wie kommt man auf die Idee, den Tee zu seinem Beruf zu machen?

Herr Langnickel-Stiegler, Sie sind Tee-Experte von Temial. Wie wurde Ihre Leidenschaft für Tee geweckt?

Ich erinnere mich, dass ich schon von Kindesbeinen an ein Fan von Tee gewesen bin. Dabei wurde ich früh durch meine Mutter geprägt, die immer eine Kanne Ostfriesenmischung auf dem Tisch stehen hatte. Noch in meiner Jugend hat sich dann mein Interesse für Tee weiterentwickelt. Ich wollte wissen: „Was habe ich da eigentlich vor mir und wo kommt das her, was ich da trinke?“

Über die Jahre haben Sie sich ein breites Tee-Wissen erarbeitet…  

Erarbeitet ist an dieser Stelle tatsächlich das richtige Stichwort. Ich habe mich über Jahre mit allen Themen rund um den Tee und seine unterschiedlichen Ausprägungen auseinandergesetzt. Es gibt ein chinesisches Sprichwort, das frei übersetzt lautet: „Wenn du Tee verstehen willst, dann musst du ihn einfach trinken.“ Und das habe ich gemacht, während ich mir parallel das nötige Hintergrundwissen angelesen habe. Hier bin ich fast schon ein kleiner Wissenschafts-Nerd: Egal ob Studien zur chemischen Zusammensetzung der Teepflanze oder zur Wirkung auf den menschlichen Körper – ich habe mir wirklich alles besorgt, was ich zum Thema finden konnte.

Wenn du Tee verstehen willst, dann musst du Tee trinken. 

Wann haben Sie gemerkt, dass das Thema Tee auch beruflich eine Rolle spielen könnte?

Ich habe früh angefangen, ganz klassisch in einem Teeladen zu arbeiten. Dort habe ich noch Tee umgepackt und teilweise riesige Säcke voller Teeblätter geschleppt. 2012 habe ich dann ein Tee-Unternehmen in Berlin mitgegründet, in dem ich erstmals Tee-Seminare durchgeführt habe. Das Wissen, das ich mir über zehn bis 15 Jahre angeeignet hatte, in kompakter Form zu vermitteln, war und ist eine echte Herausforderung. Denn natürlich ist es in erster Linie mein Ziel, dass die Menschen Lust auf das Thema Tee bekommen und merken, was echte Teequalität bedeutet.

Und wie sind Sie letztlich zu Vorwerk gekommen?

Vor meiner Zeit bei Vorwerk hatte ich mich bereits selbstständig gemacht und veranstaltete eigene Tee-Seminare und Verkostungen mit kleinen Gruppen von acht bis 12 Leuten. Eines Tages saßen unsere heutigen Geschäftsführer von Temial in einem meiner Seminare und löcherten mich mit allerhand Fragen.

Ich habe mich natürlich erst einmal gewundert, warum sich die Firma Vorwerk für Tee interessiert. Als ich dann mehr über das Projekt erfahren habe, war ich sofort begeistert – nicht nur, weil man sich bei Temial schon ausgiebig mit Tee auseinandergesetzt hatte, sondern weil die richtige Frage gestellt wurde: „Was sollte ein Gerät können, um einer jahrtausendealten Kultur gerecht zu werden?“ Ich durfte das Projekt dann eine Zeit lang als externer Berater begleiten und bin seit 2017 als Tee-Spezialist ein fester Teil des Temial-Teams.


Welche Rolle haben Sie bei der Entwicklung des Teegerätes eingenommen? 

Als Berater war ich nicht in den vollständigen Entwicklungsprozess involviert. Schließlich bin ich kein Ingenieur. Meine Aufgabe war es zum Beispiel, das Teesortiment mit zu entwickeln. Dennoch wurde ich auch von den Ingenieuren immer mal wieder für Fachfragen hinzugezogen, weil ganz penibel auf Kleinigkeiten im Aufgussprozess geachtet und viel ausprobiert wurde.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Eine wichtige Frage war: „Ab wann beginnt eigentlich die Ziehzeit für unseren Tee?“ Im Temial-Teegerät fällt das Wasser ja nicht einfach vom Himmel, sondern läuft über mehrere Sekunden langsam in die Kammer, in der sich die Teeblätter befinden. Ob wir die Ziehzeit nun starten, wenn das Wasser vollständig in der Kammer ist, oder gleich zu Beginn, macht einen Unterschied von fast zehn Sekunden aus. Und diese können dafür sorgen, dass der Tee bitter wird und nicht mehr schmeckt.

Diese kleinen Stellhebel sind es, die im weiteren Zubereitungsprozess ganz viel bedingen und die wir deshalb immer wieder getestet haben. Viele Menschen stellen sich das beim Tee immer noch so einfach vor: „Kochendes Wasser drauf und dann zieht das.“ Diese Reaktion haben wir auch zum Produktlaunch erleben können.

Sie sprechen den Produktlaunch an. Viele Vorwerk-Kunden im Netz haben gefragt, was denn das Besondere an einer Teemaschine sei. Also: Was macht Temial innovativ?

Vorwerk hat mit Temial nicht einfach nur eine Teemaschine gebaut, sondern ein Gerät, das den Ansprüchen traditioneller Teezubereitung gerecht wird. Das Gerät macht all das, was ich als Tee-Experte bei der Zubereitung von Hand machen würde in automatisierter Form – vom Aufwecken der Teeblätter, über die richtige Temperierung des Wassers bis zur Ziehzeit.

Bisher hat sich noch kein großes Unternehmen in Deutschland die Frage gestellt: „Was müssen wir tun, damit Tee in den modernen Alltag vieler Menschen passt?“ Wir möchten das ändern und außerdem die jahrtausendealte Teekultur jenen Menschen zugänglich machen, die bisher noch keine Berührungspunkte mit dem Thema hatten.

Und an diesem Punkt kommen Sie wieder ins Spiel. Welche Aufgaben übernehmen Sie heute bei Vorwerk?

Als Tee-Experte gehöre ich bei Temial zum Marketing-Team. Damit schließt sich für mich in gewisser Weise auch ein Kreis, da ich von Haus aus eigentlich PR-Berater bin, im Bereich Kommunikation studiert und auch mein Volontariat gemacht habe. Ich bin also keinesfalls nur der Tee-Guru, der irgendwo im stillen Kämmerlein seinen Tee schlürft und keiner von ihm weiß, was er da eigentlich macht (lacht).

Eine meiner Hauptaufgaben ist es dennoch, all unsere Mitarbeiter so in Sachen Tee zu schulen, dass sie den Menschen Lust auf das Thema machen können. Wir alle bei Temial möchten unsere Leidenschaft für Tee nicht nur auf eine lockere und sympathische Art mit den Leuten teilen, sondern die Begeisterung auch glaubwürdig vermitteln können.

„Wissen kann Begeisterung auslösen“ 

Macht denn erst das Wissen Lust auf Tee?

Ja, ich glaube tatsächlich, dass das Wissen ein großer Schlüssel sein kann, um Lust auf Tee zu bekommen. Natürlich hat nicht jeder den gleichen Zugang zu einem solch komplexen Thema. Manche nähern sich dem Tee übers Anfassen, Probieren, und Schmecken. Andere schaffen das über das Aufsaugen von Fachwissen. Ich hatte schon Leute, die in meinen Seminaren saßen und jedes noch so kleine Detail mitgeschrieben haben – egal ob es nun um die Oxidation von Teeblättern oder das Freisetzen von Enzymen ging.

Das ist auch das Spannende an meiner Arbeit: zu beobachten, wie unterschiedlich die Begeisterung für Tee geweckt werden kann. Ich sehe das ja auch bei meinen Kollegen hier bei Temial, für die das Thema Tee im Alltag einen ganz anderen Stellenwert bekommen hat. Plötzlich bereite nicht mehr ich, sondern die Kollegin neben mir morgens den Tee zu und bietet mir eine Tasse davon an. 

Sie schwärmen förmlich von Ihrem Beruf als Tee-Experte. Gibt es denn Dinge, die Sie auch mal nerven können?

Eigentlich nicht wirklich. Natürlich kann es manchmal anstrengend sein, wenn man die gleiche Frage immer und immer wieder beantworten muss. Dann würde man am liebsten einfach mal sagen: „Nimm dir erst einmal ein Buch, lies dich ein und komm dann wieder.“ Ich habe schließlich auch mal schlechte Tage und bin dann nicht so auskunftsfreudig wie heute. (lacht)

Eine wichtige Frage gibt es aber noch zu klären: Wie bereichert Tee unseren Alltag?

Grundsätzlich sollten wir alle mehr trinken und Tee bietet eine leckere Möglichkeit, das zu tun. Aber Tee ist viel mehr als aromatisiertes Wasser. Tee ist Kommunikation. So kommt man zum Beispiel – so wie ich jetzt gerade wieder – über Tee ins Schwärmen.

Außerdem sorgt Tee für Begegnungen: In den klassischen Teekulturen wie in China steht bei Geschäftsbesprechungen kein Kaffee auf dem Tisch, sondern es wird erst einmal Tee zubereitet. Und zu guter Letzt bedeutet Tee auch Ruhe. Es gibt noch ein chinesisches Sprichwort, das ich hier zitieren kann: "Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen." – das bringt es für mich auf den Punkt.

FOTO Michael Gernhuber

29.06.2018

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