Vorwerk
Von der ersten Idee zur technischen Umsetzung

„Innovationen sollten eine Verbesserung im Alltag bedeuten“

Wie können nachhaltige Produkte aussehen? Und wie nutzt man nun die neueste bahnbrechende Technik? Unternehmen stehen immer wieder vor der Aufgabe, Innovationen voranzutreiben. Doch was genau bedeutet eigentlich Innovation und in welchem Umfeld lassen sich Ideen für neue Technologien am besten umsetzen? Wir haben mit Dr. Henning Hayn von den Vorwerk Elektrowerken gesprochen – über planbare Innovationen, neue Technik-Trends und das Silicon Valley. 

Herr Hayn, als Head of Advance Development leiten Sie die Vorentwicklung der Vorwerk Elektrowerke. Was genau ist die Aufgabe Ihres Teams?

In erster Linie besteht die Aufgabe meines Teams darin, Ideen für neue Produkte zu generieren. Das können neue Geräte für die beiden großen bestehenden Geschäftsbereiche Thermomix ® und Kobold sein, aber auch ganz neue Ideen, aus denen dann vielleicht weitere Geschäftsbereiche entstehen.

Unser Job ist es außerdem, in der Vorentwicklung bereits Prototypen für mögliche Marktforschungen zu entwickeln, um ein erstes Kundenfeedback einzuholen. Außerdem sind diese 80-Prozent-Muster – wie wir sie nennen – wichtig, um die technischen Herausforderungen, die neue Ideen beinhalten, schon in einer frühen Phase zu lösen und die Risiken in einer eventuell folgenden Serienentwicklung zu reduzieren. 

Wie genau entstehen denn die Ideen für neue Vorwerk Produkte?

Neue Ideen generieren wir natürlich nicht alleine hier in der Vorentwicklung in irgendeinem dafür vorgesehenen Büro oder Labor. Die Ideen können von überall aus dem Unternehmen kommen – aus den Elektrowerken, aber auch von unserem Produktmanagement bei Vorwerk International, dem Vorwerk Stammhaus oder sogar von außerhalb des Unternehmens. Wir verstehen uns als der technische Partner, der die Ideen in innovative Produkte umsetzt.

Was bedeutet für Sie Innovation?

Innovationen erhöhen die Lebensqualität im Alltag. Erst, wenn ich einen echten Kundennutzen generieren kann, würde ich ein Produkt als Innovation bezeichnen. Dazu gehören auch die Faktoren Erfolg und Wirtschaftlichkeit. Wenn ich mir einen Kundennutzen mit einem sehr hohen Preis erkaufe und das im Markt nicht ankommt, ist das auch keine Innovation in unserem Sinne. Innovativ heißt nicht, einfach nur neu zu sein, sondern auch erfolgreich. 

Kann man Innovation denn planen?

Das ist definitiv möglich, denn wir haben einen Plan, der sich aus unserer Unternehmensstrategie, unserer Produkt-Roadmap und unserer Technologie-Roadmap ableitet. Dieser Plan bildet die Leitplanken für die Entwicklung neuer, innovativer und nachhaltiger Produkte.

Die Herausforderung, innovativ zu sein, liegt meiner Meinung nach auch nicht so sehr im Entwicklungsprozess, als vielmehr in den Produkten selbst. Diese werden immer komplexer, weil die Anforderungen auf Kundenseite steigen, auch in den Bereichen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Außerdem stellt uns die zunehmende Vernetzung – sei es mit der Cloud, mit einem mobilen Endgerät oder Alexa – vor neue Aufgaben. Heute läuft ein Teil der Produkt-Software nicht mehr auf dem Gerät selbst, sondern in der Cloud. Doch für den Kunden muss beides wie aus einem Guss funktionieren.

Ein gutes Beispiel dafür ist unser Thermomix ® TM5, bei dem das Gerät und die Cookidoo Plattform reibungslos ineinandergreifen müssen. Diese Komplexität kann man in meinen Augen nur durch ein strukturiertes Vorgehen beherrschen. 


Wie sieht das dann in der Praxis genau aus?

Das heißt in der Praxis, dass wir ein komplexes Produkt und vielleicht auch ein Entwicklungsproblem in einzelne Teilbereiche zerlegen, an denen dann jeweils ein Experte oder Fachteam arbeitet – zum Beispiel an der Lautstärke eines Gerätes, an der Software in der Cloud oder an jener auf dem Gerät.

Jetzt liegt natürlich die Herausforderung darin, dabei immer das Gesamtprodukt aus Kundensicht im Auge zu behalten. Und das geht aus meiner Sicht nur mit der nötigen Leidenschaft. Nur mit Leidenschaft gelingt es, sich einerseits auf seinen technischen Fachbereich zu fokussieren, andererseits immer wieder abzugleichen, ob das Ergebnis tatsächlich zu den Bedürfnissen der Nutzer passt – um dann eventuell noch einmal einen Arbeitsschritt zurückzugehen. Nur so kann ein innovatives Top-Produkt entstehen, was ja unser Anspruch ist. 

Nur mit Leidenschaft entwickelt man ein innovatives Top-Produkt 

Außer fehlender Leidenschaft, gibt es Dinge, die Innovationen ausbremsen können?

Als Innovationsbremse sehe ich vor allem ein kurzfristiges Arbeiten und Denken. Denn wenn ich immer nur auf die nächsten ein bis zwei Jahre schaue, dann fehlt häufig der Fokus für eine nachhaltige Entwicklung, an deren Ende ich die Dinge richtig gut mache. Das gilt auch für technologisch getriebene Themen.

Das Silicon Valley in den USA gilt hingegen als ein Standort, an dem Innovationen besonders schnell vorangetrieben werden. Wie wichtig ist die Umgebung für die erfolgreiche Umsetzung neuer Ideen? 

Aus meiner Sicht ist der Standort – egal ob das jetzt das Silicon Valley oder unsere eigenen Entwicklungsstandorte in Zürich, Düsseldorf oder Wuppertal sind – weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung für Innovation. Die Kunst ist es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der agile Arbeitsweisen, Eigenverantwortung und ein ständiges Reflektieren der eigenen Arbeit gefördert werden.

Natürlich gibt es Orte wie das Silicon Valley, die sehr attraktiv für Menschen sind, die ihre Ideen erfolgreich umsetzen möchten. Ich selbst habe dort eine Zeit lang gearbeitet und erfahren, dass die Unternehmen einen gewissen Spirit entwickelt haben. Doch ich weiß auch, dass die Amerikaner gutes Marketing betreiben können. Und wenn man unter den Deckmantel der Marke „Silicon Valley“ schaut, sieht man teilweise eine extrem hohe Fluktuation und einen War for Talents, der auch die dortigen Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. 

Da Sie von gutem Marketing sprechen: Um neue Technologien wie zum Beispiel Virtual Reality oder Künstliche Intelligenz entstanden zuletzt immer wieder regelrechte Hypes. Ihr großer Durchbruch ließ dann aber auf sich warten – oder tut es immer noch. Leben wir in Zeiten einer Innovations-Inflation?

Mein Eindruck ist, dass wir heute schneller mit neuen Technologien konfrontiert werden, weil über Online-Plattformen relativ leicht für neue Ideen geworben und mithilfe von Crowdsurfing Geld eingesammelt werden kann.

Doch dass das immer alles so schnell geht, ist am Ende auch eine gefühlte Wahrnehmung und hat wenig mit der Realität zu tun. Nehmen wir das Beispiel Künstliche Intelligenz. Die Algorithmen für maschinelles Lernen wurden bereits in den 50er- und 60er-Jahren entwickelt. Mit der Entwicklung des PCs und der damit einhergehenden Möglichkeit, die Algorithmen maschinell zu berechnen, erlebte die Technik dann in den 80er- und 90er-Jahren einen ersten Schub. Zwischen 2010 und heute folgte der zweite, weil es durch die großen Datenmengen aus sozialen Netzwerken und Clouds deutlich einfacher geworden ist, die nötigen Testdaten für die Algorithmen zu generieren. Heute wirkt es so, als kämen diese lernenden Systeme, die die künstliche Intelligenz ausmachen, aus dem Nichts. Dabei wurde die nötige Technologie über mindestens 60 Jahre weiterentwickelt. 

Welche Technologie-Trends sind für Sie und Ihr Team derzeit besonders interessant?

Was uns nach wie vor sehr umtreibt, sind die Themen Automation und Connected World. Im Bereich Kobold haben wir mit dem VR200 im Bereich Robotik und intelligenter Steuerung schon einen wichtigen Schritt gemacht. Und auch mit dem Thermomix ® automatisieren wir Kochprozesse und sorgen so für mehr Komfort durch unsere Gelinggarantie. Wir sehen es als gegeben an, dass unsere Produkte jetzt schon vernetzt sind. Und ich denke, dass sich beide Technologie-Trends im und um das Haus herum in den nächsten Jahren noch deutlich ausweiten werden. 


Grundsätzlich beobachten wir eine Entwicklung, die eigentlich eher ein Kunden- als ein Techniktrend ist, nämlich Convenience Products (frei aus dem Englischen übersetzt: „bequeme Produkte“, Anm. d. Red.). Innovative Haushaltsgeräte sollen flexibel einsetzbar und leicht sein, damit der Kunde sie ergonomisch und bequem nutzen kann. Hinter diesem Trend stehen selbstverständlich auch einige Technologiethemen.

Herr Hayn, ist Neu immer besser als Alt? Oder kann man es mit dem Innovieren auch übertreiben?

Wir wollen unsere Produkte weiterentwickeln. Deshalb hätten wir wohl etwas falsch gemacht, wenn ein neues Modell keine Verbesserung im Vergleich zum alten Gerät vorweisen könnte. Allerdings darf das Ganze keinesfalls in einem „Over-Engineering“ enden, sondern wir müssen uns auf Kernpunkte fokussieren, die auch relevant den Kundennutzen steigern. Und natürlich gibt es auch Traditionen und Werte, die ein Unternehmen vertritt und die wir im Blick behalten sollten.

Der Schlüssel liegt darin, Vorhandenes immer wieder in Frage zu stellen und zu bewerten: Ist diese Technologie noch gut genug, oder möchten wir an dieser Stelle etwas verbessern? Vor diesem Hintergrund sage ich: Ja, Neu ist besser als Alt. 

Zur Person: Dr. Henning Hayn ist Head of Advance Development bei den Vorwerk Elektrowerken. Mit seinem Team arbeitet er in der Vorentwicklung an neuen Produktinnovationen – vom Technologie-Scouting, über die Ideenfindung bis hin zur technischen Umsetzung. Zuvor war er bei Bosch und Kärcher in verschiedenen Funktionen für die Themen Forschung, Vorausentwicklung und Innovationsmanagement zuständig. Hayn hat an der TU Ilmenau Mechatronik studiert und an der Universität Siegen in Mechatronik promoviert.

07.06.2018

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