Vorwerk
Die Lösung steckt im Interface

So profitieren auch Ältere von der digitalen Welt

Schnell ein Rezept in der App ausgewählt und dann den Haushaltshelfer per Touchscreen bedient – die Digitalisierung ist längst im Alltag angekommen. Dennoch haben einige Menschen Berührungsängste, wenn es um technische Innovationen geht. „Das ist mir zu kompliziert“ oder „Das lerne ich nicht mehr“ sind weiterhin gängige Reaktionen von meist älteren Nutzern, die erst noch an digitale Produkte herangeführt werden müssen. Wie das funktioniert, weiß Sebastian Meyer, Manager User Experience bei Vorwerk International. Im Gespräch verrät er, wie man Brücken in die digitale Welt baut, welche Rolle dabei Benutzeroberflächen spielen und wieso er nichts von Telefonen für Senioren hält. 

Herr Meyer, auch wenn immer mehr ältere Menschen die Chancen digitaler Geräte und Services erkennen, bleiben laut Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisation (BAGSO) doch viele den Angeboten fern. Warum ist das Ihrer Ansicht so? 

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen hat sich die digitale Technologie in den letzten Jahren rasant entwickelt und Einzug in viele „junge“ Haushalte gehalten. Älteren Menschen fehlen im Alltag hingegen oft die Berührungspunkte zu neuen Technologien, genauso wie der natürliche Umgang mit dem Internet, wie ihn heute schon Schulkinder erlernen.

Ein weiterer Aspekt: Wer ein, zwei negative Erfahrungen mit der neuen digitalen Technologie gemacht hat, baut die Hemmschwelle gegenüber digitalen Produkten und Anwendungen noch weiter auf. Viele technologische Produkte sowie auch das Internet waren zunächst eher technikaffinen Personen vorbehalten. Die Einrichtung und Nutzung der Geräte war deutlich komplizierter und aufwendiger als heute – und auch einfache Bedienungen, wie sie eine gute „Usability“ und „User Experience“ ausmachen, gab es damals noch nicht.

Wie lässt sich die digitale Hemmschwelle denn überwinden? 

Das Wichtigste ist, die Angst vor der Technologie zu nehmen. Bei Vorwerk gelingt uns das zum Beispiel mit den Produktvorführungen durch unsere Repräsentantinnen. Denn Sie zeigen dem Nutzer im eigenen Haushalt, wie die Technik funktioniert und dass sie gar nicht so kompliziert ist. In der Vorführung wird darüber hinaus auch die digitale Welt von Vorwerk erklärt – das heißt die verschiedenen Komponenten des Produkts. Denn es ist eben nicht nur das Gerät, sondern auch das Ökosystem um dieses herum, das einen größeren Nutzen für den Kunden bringt.

Wie gestalten Sie den digitalen Wandel der Produkte bei Vorwerk?

Wir führen viele Befragungen und Gerätetests durch, um zu verstehen, wie unsere Kunden die Produkte nutzen. Das tun wir natürlich mit verschiedenen Altersgruppen sowie mit mehr oder auch weniger technikaffinen Personen. Die Erkenntnisse fließen in die Produktentwicklung ein.

Außerdem überrumpeln wir die Nutzer nicht mit zehn neuen digitalen Features, sondern führen den Wandel Schritt für Schritt durch. So versuchen wir, die digitalen Optionen sukzessive in die Produkte zu integrieren.


Können Sie ein Beispiel für eine solche Erweiterung nennen?

Beim Thermomix ® waren das anfänglich die Rezeptchips. Im nächsten Schritt haben wir den digitalen Thermomix ® an die Rezepte-Plattform Cookidoo ® angeschlossen. Das heißt: wir haben erst einmal die digitale Nutzung des Gerätes eingeführt und erst im nächsten Schritt das Gerät ins Internet gebracht, so dass die Onlinewelt mit erschlossen werden konnte.

Man muss den Nutzer an die Hand nehmen und durch das Interface führen.  

„Weniger ist mehr“ – dieser Grundsatz ist bei der Gestaltung digitaler Produkte, die für den Privatgebrauch bestimmt sind, besonders wichtig. Wie muss ein Interface bzw. eine Benutzeroberfläche gestaltet sein, damit digitale Hemmschwellen gar nicht erst entstehen?

Um ein Interface möglichst einfach zu gestalten, halten wir uns an bestehende Normen – beispielsweise, dass in jedem einzelnen Schritt ersichtlich ist, welche Funktion dort ausgeführt werden kann. Man muss den Nutzer wortwörtlich an die Hand nehmen und durch das Interface führen. In der Regel gibt es auf jedem Screen eine Hauptaktion, die auch visuell hervorgehoben wird, so dass der Nutzer ganz genau weiß, dass z. B. der grüne Button immer einen Schritt weiter führt. Durch diesen Lerneffekt sind auch neue Features oder Produkte intuitiv benutzbar. Am Ende macht dies ein gutes Interface aus, da Konsistenz auch eine Form von Einfachheit ist.

Funktionieren solche Oberflächen für alle Nutzer?

Ja, denn wir berücksichtigen bei der Interface-Gestaltung immer, dass es Hürden geben kann. Wir sind hier z.B. auch im Austausch mit Blindenvereinen, um zu erfahren, wie sehbeeinträchtigte Personen mit digitalen Technologien umgehen. Diese Erkenntnisse fließen in die Gestaltung der Benutzeroberflächen mit ein, indem wir zum Beispiel hohe Kontraste einbauen und Farbblindheit beachten. Darüber hinaus spielen verschiedene Schriftgrößen und eine einfache Symbolik eine wichtige Rolle.

Wie gehen Sie mit neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz oder Smart Home Anwendungen um, die die Gerätenutzung noch weiter vereinfachen können?

Wir schauen uns neue Technologien im Hinblick auf den Mehrwert für den Nutzer genau an. Denn es geht nicht darum, nur ein weiteres Interface hinzuzufügen, welches das Produkt am Ende nur schwerer und komplexer macht. Künstliche Intelligenz ist eine große Chance, das Nutzererlebnis zu vereinfachen. Dafür muss diese aber nicht zwangsläufig für den Nutzer sichtbar sein, sondern kann auch im Hintergrund die Gewohnheiten im Umgang mit dem Produkt erfassen und so die Benutzung vereinfachen. Verschiedene Geräte werden in Zukunft immer mehr zusammenarbeiten. Auch das vereinfacht die Handhabung der Geräte.

Künstliche Intelligenz muss für den Nutzer nicht sichtbar sein. 

Inwieweit ist auch Sprachsteuerung eine nützliche Hilfe für ältere Nutzergruppen?

Sprachsteuerung erleichtert den Zugang zu Technologie. Sie ist eine natürliche Form der Interaktion, denn Sprache muss man nicht neu lernen. Insofern bietet sie älteren Nutzern und auch weniger technikaffinen Menschen eine einfache Steuerung.


Was glauben Sie: Brauchen wir in Zukunft vermehrt Produkte für ältere Anwender, oder wird digitale Technik auch für die ältere Zielgruppe immer verständlicher und benutzerfreundlicher?

Jede Zielgruppe hat ihre Bedürfnisse, die man berücksichtigen muss. Ich glaube aber nicht an spezielle Produkte für ältere Generationen. Um ein Beispiel zu nennen: Telefone für ältere Menschen haben sich bislang nicht durchgesetzt – stattdessen das iPhone, weil es auch für ältere Nutzer einfach zu bedienen ist, indem es zum Beispiel Einstellungen für verschiedene Schriftgrößen und Kontraste ermöglicht.

Wo sehen Sie Chancen, das Leben der Menschen in Zukunft noch einfacher zu gestalten?

Sprache und Sprachsteuerung haben noch viel Potential. Umso besser die Sprachsteuerung wird, desto häufiger kann sie eingesetzt werden, um den Nutzer in der Bedienung der Geräte zu unterstützen. Die Geräte werden zudem durch weitere Sensoren mehr über den Kontext ihrer Nutzung und über ihre Umgebung lernen. Schaut man noch weiter in die Zukunft, werden Robotik und Automatisierung mehr und mehr Einzug in den Haushalt erhalten. Und am Ende werden sich die Innovationen durchsetzen, die einfach zu bedienen sind und dem Nutzer das Leben erleichtern statt ihm im Weg zu stehen.

Seit September 2017 ist Sebastian Meyer als Manager User Experience bei Vorwerk International in der Schweiz tätig. Zuvor arbeitete er im Produktmanagement bei Neato Robotics im Silicon Valley, Kalifornien.

03.08.2018

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