Vorwerk
Menü der Zukunft im Test

„Dann essen wir also Gras aus dem Meer?“

Goji-Beeren, Hanfsamen, Seitan? Noch nie gehört? Dann geht es Ihnen wie den Kleins aus Köln. Bei der vierköpfigen Familie steht gewöhnlich Pasta, Pizza und Spiegelei auf dem Speiseplan. Neugierig ist sie trotzdem auf unser Experiment mit den Foodtrends. Die Familie kocht mit uns das Menü der Zukunft – fleischlos, gesund und exotisch.

„Also Insekten essen wir nicht”, erzählt Mutter Miriam Klein gleich zu Beginn unseres Kochnachmittags. So richtig vorstellen kann sie sich nicht, wie man in Zukunft kocht. „Vielleicht mehr mit Küchenmaschinen“, sagt sie mit Blick auf den Thermomix. Und auch gesünder. Die eigentlichen Rezepte für unser Zukunftsmenü erfährt die Familie erst heute.

Trendfood Gojibeeren – „Die schmecken ja wie Rosinen!“

„Brokkolisalat mit Gojibeeren” – Vater Daniel studiert aufmerksam das Rezept. „Nee, das haben wir noch nicht gemacht”, sagt er, während die Töchter Lara (5) und Sophie (13) die kleinen Früchtchen aus der offenen Tüte naschen. Gojibeeren und auch Cranberries gehören zum Salat. „Die schmecken ja wie Rosinen”, meint Sophie und knabbert weiter, während sich die kleine Lara schon an den Brokkoli macht. Daniel schneidet ihn in grobe Stücke, Lara probiert. „Offensichtlich darf man den Brokkoli roh essen“, lächelt er.

Dann kommen alle Zutaten in den Topf: Neben dem Brokkoli und den Beeren auch ungesalzene Cashewkerne, ein Apfel, ein bisschen Balsamico und Mayonnaise. Der Rohkostsalat ist in acht Sekunden fertig. „Wow”, ruft Sophie, die vom zerkleinerten Ergebnis überrascht ist. „So sieht also unsere neue Vorspeise aus.“ Die vier können es gar nicht erwarten, mit dem Essen zu beginnen und verkünden, dass sie „großen Hunger” haben. Die Portion reicht fürs erste. Sie ist schnell verzehrt. „Und schmeckt sie auch?“ Einstimmiges Kopfnicken.

Hanfsamen-Sauerkraut-Cracker – exotische Snacks für zwischendurch

Jetzt können die etwas aufwendigeren Cracker zubereitet werden. Der moderne Snack für zwischendurch besteht aus Hanfsamen, Buchweizen und Sauerkraut. „Auf die Idee wäre ich nie gekommen”, kommentiert Miriam und studiert gespannt das Rezept. Die Teigmasse wird erst einmal wieder im Thermomix zubereitet. Mutter Miriam übernimmt das Schälen der Karotten und liest den Kindern weiter aus dem Rezept vor, während Daniel aus dem Teig feine Dreiecke formt. „Präzisionsarbeit – was für den Mann!“, schmunzelt sie.

Normalerweise muss es im Alltag der Kleins schnell gehen. Beide Eltern sind berufstätig, mittags wird ein belegtes Brötchen oder in der Kantine gegessen, die Kinder speisen in der Kita und in der Schule. Erst am Abend kommen sie am Esstisch zusammen. „Genau genommen haben wir nur 30 Minuten Zeit, um etwas zu kochen“, erzählt Daniel. „Sonst wird es für die Kinder zu spät.“ Was schnell zubereitet ist und allen schmeckt sind Pizza, Nudeln oder auch mal Spinat mit Spiegelei und Kartoffeln. Für solche Gerichte wird einmal pro Woche eingekauft – zwischendrin bleibt kaum Zeit für den Gang zum Supermarkt. 

„Wir könnten uns gesünder ernähren, wenn wir immer Gemüse und andere frische Zutaten essen würden“, wünscht sich Miriam manchmal. „Zumindest essen wir abends selbstgekocht und meistens warm.“ Das stimmt auch Daniel größtenteils zufrieden mit seiner Ernährung. „Wir können eigentlich nicht richtig kochen“, gibt er zu. „Mit Rezept geht´s – aber ein Koch, der aus beliebigen Zutaten aus dem Kühlschrank eine leckere Speise kreiert – das kriegen wir nicht hin.”

Mittlerweile sind die Cracker fertig. Die Kinder greifen als erstes zu. „Schmeckt komisch“, sagt Sophie. Und auch die kleine Lara legt den Cracker wieder weg. „Kann sein, dass wir ein bisschen mehr Salz reingegeben haben als im Rezept vorgegeben”, sagt Miriam. Auch das gehört beim Experiment „Zukunft kochen“ dazu. Die Küchenmaschinen übernehmen mit der Vorgabe der passenden Zutatenmengen nur einen Teil der Kochunterstützung – obgleich Miriam es begrüßen würde, wenn sie das Kochen hin und wieder einem Roboter übergeben könnte

Seitan als Fleischersatz – vegane Alternativen liegen im Trend

„Lasst uns lieber mal die Hauptspeise kochen“, ruft Daniel und wetzt schon das Messer. Eigentlich ist er Fleisch gewohnt, doch diese Königsberger Klopse werden mit Seitan gemacht, einem Produkt aus Weizeneiweiß mit fleischähnlicher Konsistenz. Alle Zutaten sind vegan – auch die Sahnealternative auf Sojabasis. Der Thermomix zerkleinert Zwiebeln und alte Brötchen-Reste und spielt den Signalton ab, wenn der Kloßteig fertig ist. Die Kinder singen die Melodie schon nach.

Während Daniel aus der Mischung die Bällchen formt und auf den Varoma-Einlegeboden legt, schälen die Frauen die Kartoffeln. Nach etwas mehr als einer Stunde können die fleischlosen Königsberger Klopse serviert werden. „Kartoffeln und Seitan-Klöpse machen pappsatt”, meint Sophie. 

Algen essen – eine ganz neue Erfahrung für die Familie

Als Beilage stellen wir der Familie heute noch einen Gurkensalat mit Wakame-Algen vor. Keiner hat je eine Alge probiert. Als Lara die Packung mit den eingelegten Algen öffnet, ruft sie: „Hey, das ist ja Schleim!” Als wir erklären, woher die Algen stammen, fragt sie: „Dann essen wir also Gras aus dem Meer?!” und schiebt sich darauf neugierig eine Wakame in den Mund.

Die Zubereitung des Salats klingt für die Familie ungewöhnlich, denn zunächst müssen Gurkenscheiben mit Eiswürfeln eine halbe Stunde lang gekühlt werden. Auch Ingwer, Reisessig und Sojasauce sind normalerweise keine Zutaten, die bei den Kleins im Küchenschrank stehen. Das hieraus heute ein Dressing gemixt wird… die erste Geschmacksprobe führt bei Miriam zu Stirnrunzeln. „Ich weiß nicht, ob das schmeckt”, meint sie. Zusammen mit den kühlen Gurken ist der Salat für die Familie eine ganz neue, kulinarische Erfahrung. Sophie erinnert sich, dass man so etwas wohl mit Sushi zusammen essen könnte. Alle probieren vorsichtig eine Beilagen-Portion.

Ernährungstrends verändern sich fortlaufend

„Algen bieten ein riesiges Zukunftspotential“, erklärt die Foodtrend-Forscherin Hanni Rützler. Neben den neuen Geschmackserfahrungen aus dem Meer, glaubt sie daran, dass wir in Zukunft auch vermehrt Insekten auf unseren Speiseplan setzen werden – zusätzlich zu Fleischersatz wie Soja oder Lupinen.

Das Essen, das auf den Tisch kommt, bestimmt heute vielleicht stärker als jemals zuvor unser Sein und unseren individuellen Lebensstil. Erst hat ein neues Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein mit entsprechenden Bio-Produkten unsere Ernährungsgewohnheiten verändert. Dann kam der Trend zur vegetarischen, veganen oder neuerdings zur flexitarischen Ernährung, bei der weniger und nur ausgewähltes Fleisch gegessen wird. Gefördert wurden diese Entwicklungen zusätzlich durch die Digitalisierung und ihre vielen Möglichkeiten, sich über Communities und Rezepte-Seiten auszutauschen.

„Uns fehlt die Vielfalt an Rezepten”, erklärt Daniel trotz alldem. „So bereiten wir dieselben Gerichte zu, wechseln aber manchmal die Zutaten aus.“ Beispielsweise beim Chili con Carne mit unterschiedlichem Gemüse – dieses Gericht kocht er häufig für mehrere Tage vor.

„Ich bezweifele, dass die Kinder von uns lernen, wie man Rheinischen Sauerbraten kocht”, sagt Miriam. Zwar interessieren sich die Mädels schon für das unterschiedliche Schmecken, Schnippeln und Kochen von Lebensmitteln. „Das richtige Handwerk des Kochens, wie es unsere Großmütter noch konnten, können wir aber nicht mehr vermitteln“, sagt sie. Umso wichtiger sei es, die Kinder alles ausprobieren zu lassen.

„Fleisch ist auf Dauer keine Lösung“

Dass bei den Kleins in Zukunft auch etwas vom heutigen Menü gekocht wird, da sind sich die Eltern sicher. „Bestimmt der Brokkoli-Salat mit Gojibeeren“, sagt Miriam, weil er einfach zu machen ist, lecker schmeckt und obendrein noch gut aussieht. Aber auch die anderen Zutaten findet sie interessant. „Ich esse gern vegetarisch”, sagt sie. Da kommt ihr die neue Inspiration gelegen.

Ob die Familie in Zukunft vermehrt fleischlos essen wird, ist ungewiss. „Es wäre zwar richtig, aber ich schaffe es nicht“, meint Daniel. Er ist mit Fleisch groß geworden. Dennoch: „Zu viel Fleisch ist auf Dauer keine Lösung. Es wird auf Alternativen hinauslaufen”, sagt er. Ob das Seitan sein muss, oder lieber Spinat, Grünkohl und Brokkoli, das ist Geschmackssache. Sie alle beinhalten gesundes Eiweiß. So auch Insekten. „Die sind bei uns aber noch ferne Zukunft“, so Daniel.

Kreatives für Ihren Speiseplan von morgen

Auch Lust auf ein Menü der Zukunft? Egal ob mit Algen oder mit Seitan – im Thermomix Rezept-Portal Cookidoo® finden Sie viele kreative und leckere Ideen für Ihren Speiseplan von morgen. Wir wünschen guten Appetit!

02.06.2017

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