Vorwerk
Clever gebaut

Energieautarkes Haus: Wenn Energiesparen kein Thema mehr ist

Geschirrspülgänge mit halbvoller Maschine, angeschaltetes Licht in vielen Zimmern und wohlige Wärme im Winter: Energiesparen ist bei Familie Leukefeld kein Thema. Warum auch, wenn ihr Haus selbst Wärme und Strom im Übermaß produziert? Seit vier Jahren leben Vater, Sohn und Au-pair-Mädchen energieautark.

Leonardo ist es fast schon gewöhnt, dass Fremde wissen wollen, wie ihm sein Zuhause gefällt. Für den Zehnjährigen ist das Haus nichts Besonderes – im Erdgeschoss der offene Wohn- und Essbereich, oben sein Kinderzimmer, das Schlafzimmer seines Vaters, ein Gästezimmer und der Rückzugsort für das Au-pair-Mädchen.

Leonardo mag die Terrasse und den Garten mit dem kleinen Pool, in den er dank des warmen Wassers auch an kühleren Tagen springen kann. In die Äste des alten Baums vor dem Haus hat er zusammen mit seinem Vater ein paar Bretter genagelt und klettert manchmal bis nach oben, wo er sich in der Baumkrone verstecken kann. Oder er versucht mit bloßen Händen Waldbienen zu fangen, die vor dem selbstgebauten Bienenhaus herumsummen. Ja, sagt Leonardo, er wohne gerne hier. Aber jetzt wartet sein Kumpel auf ihn, mit dem er später Spaghetti essen und einen Film sehen will.

Niemand konnte sich vorstellen, dass das energieautarke Haus funktioniert 

Tatsächlich interessieren sich seit ein paar Jahren immer mehr Menschen für das 160 qm große Einfamilienhaus im sächsischen Freiberg. Das Besondere daran: Dank seiner Bauweise versorgt das Haus seine Bewohner das ganze Jahr über mit Strom und Wärme aus Sonnenenergie. Familie Leukefeld ist fast vollkommen unabhängig von Energieanbietern.
 

Das energieautarke Haus der Familie Leukefeld in Freiberg in Sachsen.


Für den Energieexperten Timo Leukefeld ist damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Seit bald zehn Jahren beschäftigt sich der 47-Jährige mit der Idee eines energieautarken Hauses. Schließlich findet er im Hausbau-Unternehmen HELMA einen Partner, der seine Begeisterung für Energieeffizienz teilt. 2011 wird das erste energieautarke Musterhaus in Lehrte bei Hannover aufgestellt, schlüsselfertig für rund 360.000 Euro zu haben. „Eine Weltneuheit“, sagt Leukefeld. „Niemand konnte sich vorstellen, dass das funktioniert, weil wir hier in Deutschland zu wenig Sonne hätten.“

Endlich energieautark dank Sonnenlicht

Doch Leukefeld und sein Kollege wollen die Menschen vom Gegenteil überzeugen. In Freiberg bauen sie gleich zwei energieautarke Häuser nebeneinander. In einem wird das Büro von Leukefelds Firma untergebracht, in das andere zieht Timo Leukefeld mit seiner damals noch fünfköpfigen Familie ein. 190 Sensoren lässt er im Haus anbringen, einige Jahre lang messen Wissenschaftler von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und des Fraunhofer Instituts ISE sämtliche Verbrauchswerte der Familie und werten sie aus. „Ein Opfer für die Wissenschaft“ nennt Timo Leukefeld das Energiemanagement. Das wiederum zu einem positiven Ergebnis führt: Das energieautarke Haus funktioniert – seine Berechnungen gehen auf.

Auf dem steilen, nach Süden ausgerichteten Dach hat Leukefeld Kollektoren für Solarthermie und Module für Fotovoltaik installieren lassen, die Sonnenlicht in Wärme und Strom umwandeln. Dank dicker Wände aus Ziegelsteinen ist das Haus zudem gut gedämmt. Ein großer Langzeitwärmespeicher kann Sonnenwärme vom Ende des Sommers über mehrere Wochen bis in den Winter hinein aufbewahren. In den kalten Wintermonaten heizt Timo Leukefeld zusätzlich mit etwas Holz. Mit kleinen Änderungen im Haushalt senkt die Familie zudem ihren Stromverbrauch – etwa, indem sie Geschirrspüler und Waschmaschine ans Warmwassernetz anschließt. Logisch, dass kein Elektrogerät im Stand-by-Modus läuft.

Energieeffizienz: Überschüssiger Strom fließt ins Elektroauto

Einschränken muss sich die Familie in keiner Weise. Pro Jahr verbrauchen sie zusammen etwa 2.000 Kilowattstunden Strom, weniger als die Hälfte von dem, was andere Familien nutzen. Ob das Licht brennt oder nicht ist egal. Während des Winters sind alle Räume auf 23 Grad geheizt. Mit überschüssiger Energie aus dem Stromspeicher des Hauses tankt Leukefeld das Elektroauto, mit dem er regelmäßig unterwegs ist. „Klug bauen! Dann kann ich mit Energie locker umgehen“, so der Rat des 47-Jährigen. Die Leute hätten einfach keine Lust mehr auf Sparen.
 

Für Timo Leukefeld war das energieautarke Haus immer ein Traum. Für Sohn Leonardo ist es nichts Besonderes.


Das Einzige, was er seiner Familie in Sachen Energie beigebracht habe, sei das richtige Lüften. Im Wohnzimmer zeigt die „Miefampel“ an, wie viel CO2 in der Luft enthalten ist. Steht sie auf gelb oder sogar rot, muss Sauerstoff ins Haus. „Einmal richtig querlüften anstatt das Fenster gekippt zu lassen“, so der Familienvater. Leonardo kann diese Worte wohl schon auswendig.

Auch der Zehnjährige begeistert sich wie sein Vater für Natur und Nachhaltigkeit, ist beim Naturschutzbund NABU aktiv, sammelt Müll, rettet Tiere. „Er spielt aber genauso gern Lego in seinem Zimmer“, so Leukefeld. Alles ganz normal also. Bloß, dass er als Vater genau wisse, wie viel er in den nächsten Jahren für sein Haus zu bezahlen habe und sich keine Sorgen um steigende Energiepreise machen müsse. „Ein irres Gefühl“, beschreibt er die komfortable Situation - und wünscht sich, dass in Zukunft noch viel mehr Menschen von diesem intelligenten Wohnkonzept profitieren.

Energieeffizient - und trotzdem leistungsstark 

 Das Thema Energie spielt auch für die Produktentwicklung bei Vorwerk eine zentrale Rolle. Unsere Ingenieure arbeiten ständig daran, Produkte wie z.B. die Staubsauger von Kobold noch effizienter zu machen. So schaffen wir es, die Energieeffizienzklasse A und eine hohe Saugleistung zu vereinen

16.06.2017

Mehr zum Thema

Digitale Haussteuerung

7 Tipps für Ihren Einstieg ins Smart Home

Das Smart Home soll unser Leben einfacher und komfortabler gestalten. Doch beim Einrichten des intelligenten Zuhauses tut sich mancher schwer. Wir zeigen, worauf man achten sollte.

Flexibel, nachhaltig, intelligent

5 Beispiele, wie die Architektur der Zukunft aussehen wird

Attraktiven Wohnraum für alle schaffen – dieses Ziel verfolgen Architekten auf der ganzen Welt. Doch wie sehen ihre Visionen aus? Und welche zukunftsweisenden Ideen wurden bereits in die Tat umgesetzt? Wir zeigen 5 Beispiele.

Die Zukunft lädt

Bekommen wir bald den Super-Akku?

Wann haben Sie sich zuletzt über den leeren Akku ihres Smartphones geärgert? Unsere zwei Experten erklären Ihnen, wie Sie Ihren Akku schonen – und ob Sie sich Hoffnung auf bessere Technik machen dürfen.

Weiterlesen

Vernetztes Wohnen

„Selbstlernende Smart Home Systeme stehen in den Startlöchern“

Das voll vernetzte Haus ist zwar noch eine Zukunftsvision, doch Geräte und Steuerungssysteme werden schon heute immer smarter. Wie alltagstauglich das Smart Home bereits ist und welche Herausforderungen noch auf uns warten – ein Smart Home Experte klärt auf.

Roboter-Technologie

Daheim im Museum

Im Van Abbemuseum in Eindhoven gibt es neuerdings auch Verwandlungskunst zu bestaunen. Denn hier wird man vom Menschen zum Roboter – und kann die Ausstellung von zuhause aus besuchen.

Kommende Wohntrends

„Wir wünschen uns Möbel mit Geschichten“

Eva Brenner mag es archaisch – zumindest wenn es um die Einrichtung ihrer Küche geht. Im Interview erklärt die Innenarchitektin, warum wir trotz Perfektionsdrangs und immer neuerer Technik dennoch alte Möbel vom Flohmarkt kaufen.