Vorwerk
Wohnkonzept mit Gästezimmer-App

Wie der Service-Gedanke das moderne Stadtleben bestimmt

Der Wohnraum in deutschen Metropolen ist knapp. Nicht jeder kann hier eine Vier-Zimmer-Wohnung beziehen. Doch auch der moderne Städter wünscht sich einen persönlichen Rückzugsort, an dem sowohl er als auch Freunde und Familie sich wohlfühlen können. Neue Wohnkonzepte wie das „Le Flair“ in Düsseldorf bieten den Bewohnern deshalb an, Gästezimmer oder Eventräume nach Bedarf dazu zu mieten. Und überhaupt spielt der Service-Gedanke hier eine ganz besondere Rolle. Ein Besuch im Neubaugebiet, das das Prinzip Eigenheim mit innerstädtischem Leben verbindet.

S-Bahnhaltestelle Zoo, nur zwei Stationen bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof oder Flughafen. Hinter einer Schallschutzwand wurde auf 60.000 Quadratmetern des ehemaligen Güterbahnhofs Derendorf/ Pempelfort in kürzester Zeit ein Wohnquartier für 2.500 Menschen geschaffen. Appartements, Townhouses, Penthouse-Wohnungen – mehr als 900 Wohneinheiten mit 40 bis 200 Quadratmetern. Vor acht Jahren begann der Bau der hellen, drei- bis sechsgeschossigen Stadthäuser. In diesem Jahr soll das letzte Baufeld fertig werden.

Inmitten des Quartiers wohnt Carmen Luderer. Die Sechzigjährige hat sich hier vor drei Jahren „einen Traum erfüllt“, wie sie sagt, und zog aus dem 20 Kilometer entfernten Velbert in die Großstadt. „Ich habe bewusst nach einem neuen Gebiet in Düsseldorf gesucht“, erzählt sie. Auf einem Immobilienportal entdeckte sie ihre heutige Wohnung im Le Flair, ein Teil des neuen Le Quartier Central der Landeshauptstadt. Neubau, erster Stock, drei Zimmer, Küche, zwei Bäder, ausgestattet mit sicherer Haustechnik.

„Die Räume sind hell, die Aufteilung ist gut und die Wohnung hat Fußbodenheizung – ich musste sie sofort haben“, erzählt Luderer, die in ihrer Freizeit gerne Landschaften, Naturbilder und Menschen malt. Mit einigen Werken hat sie ihre Wohnung dekoriert, ein weiteres wird derzeit im Service-Point ausgestellt. Die quartierseigene Anlaufstelle liegt direkt nebenan.

Ein Service-Point als zentrale Anlaufstelle

„Im Service-Point unten ist immer einer da, der sich kümmert“, erzählt Luderer. „Egal, ob es um die Paketannahme oder ums Fensterputzen geht.“ Tatsächlich bietet Le Flair eine Reihe von Dienstleistungen, die andere Wohnhäuser nicht haben. Die Service-Mitarbeiter kümmern sich um die Anliegen der Bewohner fast wie ein Concierge im Hotel – sei es um den Wäscheservice, Handwerker, Schneider, Babysitter oder die Haushaltshilfe. Für unter Dreijährige gibt es sogar eine Kinderbetreuung, so dass beide Elternteile arbeiten gehen können. Dass solche Angebote kosten, liegt auf der Hand. Der Service wird über eine obligatorische Gebühr von den Bewohnern mitfinanziert, ein Teil der Dienstleistungen erfolgt gegen Aufpreis. Luderer meint, dass sie das gern zahle – auch mit Blick auf das Älterwerden in der Wohnanlage.

„Die Idee des Service-Points habe ich vor etwa 15 Jahren mit nach Deutschland gebracht“, erzählt Reiner Götzen, Architekt und Geschäftsführer des Ratinger Bauherren Interboden. „In verschiedenen Ländern habe ich mir Wohnformen angeschaut, in denen unterschiedliche Arten von Dienstleistungen angeboten wurden.“ Die Angebote, wie z.B. die Concierge-Leistungen in den Wolkenkratzern einiger Weltmetropolen, habe er ausgewertet und auf die Wohnsituation in Deutschland übertragen.

Gästezimmer oder Veranstaltungsraum – einfach per App dazu buchen

Obgleich Carmen Luderer lieber mit den Menschen im Service-Point spricht, können die Bewohner ihre Wünsche auch über eine Quartiersapp via Smartphone mitteilen. Sie erreichen so von überall die Verwaltung, können einen Handwerker für den nächsten Tag buchen oder auch untereinander kommunizieren. „Einerseits sind die Bewohner lokal in der Nachbarschaft verankert, auf der anderen Seite sind sie durch die modernen Medien ständig global und Grenzen überschreitend unterwegs”, sagt Reiner Götzen. „Durch unsere App versuchen wir, die Bewohner auch digital abzuholen und so den Nachbarschaftsgedanken in die digitale Welt zu übertragen.“

Und was ist, wenn Besuch ansteht? In einigen Wohnhäusern stehen möblierte Gästeappartements bereit, die die Bewohner hinzubuchen können, wenn Eltern oder Freunde für ein Wochenende vorbeikommen. Zwei temporär buchbare Gemeinschaftsräume bieten den Bewohnern zusätzlich Platz für Hobbys oder selbstständige Tätigkeiten.

Neue Wohnideen brauchen Zeit

Erst noch entwickeln müssen sich die Events im Le Flair. Um die Gemeinschaft zu stärken, werden Trödelmärkte, Kaminabende, Sommer- und Weihnachtsfeste organisiert: „Die Leute von der Verwaltung geben sich viel Mühe“, sagt Luderer. Ihre Nachbarn müssen sich aber noch an die Angebote im neuen Quartier gewöhnen.

Dabei brauchen die Bewohner, wenn es nach den Planern von Le Flair geht, für viele Dinge des Alltags gar nicht mehr das Quartier verlassen. Neben den Veranstaltungen können sich die Bewohner auf kleinen Plätzen, Wohnhöfen oder in ihren Privatgärten treffen. „Bei uns steht nicht die einzelne Wohnung, nicht das einzelne Gebäude im Mittelpunkt, sondern die Menschen und das Leben im Quartier, denn das macht das städtische Leben aus”, sagt Götzen.

Die meisten Bewohner, die derzeit hier zur Miete wohnen oder gekauft haben, sind zwischen 30 und 49 Jahre alt. Carmen Luderer findet es gut, dass sie mit einem gemischten, eher jungen Publikum wohnt. „Das ist doch Leben“, kommentiert sie. „Stört es dich nicht, wenn Deine Nachbarn direkt auf den Balkon blicken können?“, wird sie hin und wieder von ihrer Freundin gefragt. „Nein“, lacht sie. Das urbane Flair habe es ihr einfach angetan. „Und wenn ich will, bin ich mit dem Fahrrad in wenigen Minuten auf der Rheinuferpromenade.“

19.05.2017

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