Vorwerk
Kommende Wohntrends

„Wir wünschen uns Möbel mit Geschichten“

Die Digitalisierung verändert unser Leben gerade maßgeblich. Technische Innovationen schreiten immer schneller voran – und finden auch Einzug in unser Zuhause. Dennoch mischen Menschen Möbel unterschiedlicher Epochen, kaufen alte Stücke auf dem Flohmarkt und erfreuen sich am individuellen Handwerk. Innenarchitektin und Fernsehmoderatorin Eva Brenner spricht über die neuesten Wohntrends – und über ihre Bar, die zu lange im Regen stand.

Frau Brenner, was ist für Sie 2017 der wichtigste Trend rund ums Haus beim Umbauen und Einrichten?

Sicher die Nachhaltigkeit. Schon in den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein verändert, wenn es darum geht, alte Sachen wiederzuverwenden. Dass Vintage-Design im Moment so gefragt ist, kommt auch nicht von ungefähr. Die Menschen besinnen sich gern zurück auf die traditionellen Dinge.

Woran könnte das liegen?

Ich halte das für logisch. In den meisten Lebensbereichen schreitet die Technisierung voran, da braucht man wieder ein bisschen Bodenhaftung.

Leben wir in einer Zeit der neuen Einfachheit?

Die Frage sollte lieber jeder für sich beantworten, weil sie den individuellen Geschmack betrifft. Ich persönlich finde das Reduzieren toll. Ich brauche zu Hause viel Ruhe um mich, auch visuell.

Aber Sie sind doch bekannt dafür, dass Sie Räume umgestalten und neu ausstatten?

Und das mit großer Begeisterung. Aber in meinen eigenen vier Wänden habe ich es gern ein bisschen entspannter. Das gibt mir Freiraum für Kreativität. Ich denke, das geht vielen Architekten so. Wir brauchen eine gewisse Leere um uns herum, damit wir auf frische Gedanken kommen.

Nachhaltigkeit, selber basteln, traditionelle Handwerkstechniken, die Farbe Schwarz – welche Designtrends sehen Sie noch in diesem Jahr?

Ich habe den Eindruck, im Moment existieren viele Strömungen nebeneinander, und die sind zum Teil ganz verschieden. Das gefällt mir sehr gut. Und ich mag es, dass im Design wieder mehr Farbe erlaubt ist. Damit kann man starke Akzente setzen.

Zum Stilmix: Weshalb kann man heute Möbel aus unterschiedlichen Epochen problemlos mischen?

Sehen Sie dieses Telefon? Wir benutzen alle das gleiche. Bei dem universalen Brei an Informationen, der uns heute täglich umgibt, ist es ganz entscheidend, sich individuell auszudrücken, seine Nische zu finden. Da möchte man nicht mehr ein Wohnzimmer haben, in dem es aussieht wie bei allen anderen. So wie früher, aus dem Katalog. Die Dinge, die man zusammenträgt, von Reisen mitbringt, mit denen man eigene Erfahrungen verbindet, sind eben auch Teil der eigenen Persönlichkeit.

Es fällt auf: Makellose Oberflächen bei Holz oder Steinen scheinen derzeit nicht mehr so gefragt zu sein. Weshalb ist das so?

Gerade Naturmaterialien sollen ja auch leben. Und das tun sie durch Gebrauchsspuren und Patina. Woher dieser Sinneswandel kommt, weiß ich nicht. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als alles immer perfekt sein musste. Ich stamme aus einer Steinmetzfamilie. Da wurde natürlich akribisch poliert. Und wehe, es kam ein Kratzer dran.

Das hat sich inzwischen komplett geändert?

Völlig, nehmen Sie die Marmorplatte, die ich in der Küche habe: Mal schneide ich mit dem Messer hinein, mal fällt etwas runter und es platzt ein Stück ab. Dadurch ist sie richtig lebendig geworden. Aber das zu akzeptieren und einen Reiz darin zu erkennen, das hat sich erst in den letzten Jahren entwickelt.

Was sich außerdem entwickelt hat: Die Menschen haben wieder mehr Freude am Handwerk. Liegt es an den modernen Werkzeugen oder geben wir uns mehr Mühe mit den Dingen?

Zum einen an den professionelleren Werkzeugen. Aber das erklärt noch nicht, warum Selbermachen so im Kommen ist. Ich denke, auch das hängt mit der aktuellen Uniformität zusammen – und mit dem Bestreben des Einzelnen, sich davon abzusetzen, indem man Sachen selber bastelt, sie anfasst und gestaltet. Und nicht einfach nur konsumiert. 

Werden wir also zunehmend mehr Einzelstücke und maßgefertigte Möbel sehen?

Das gehört zum Trend von Up- oder Recycling: Man stellt Unikate her. Maßgefertigte Möbel sind sicher auch eine Frage des Budgets. Grundsätzlich aber genügen oft wenige Handgriffe, um aus einem Alltagsmöbel etwas Besonderes zu machen, mit ein bisschen Farbe zum Beispiel.

Warum stehen Accessoires vom Flohmarkt im Moment so hoch in Kurs?

Weil sie eine Geschichte haben. Gestern Abend komme ich beim Joggen an einer Turnhalle vorbei. Davor steht eine Bank am Straßenrand, aus Stahlrohr, mit einer recht intakten Auflage. Ich stellte mir sofort vor, wo die schon gewesen ist. Und wie ich sie jetzt nach Hause kriege. Das wäre mir vor 15 Jahren nicht eingefallen. Es ist auf jeden Fall etwas anderes, als in einem großen Möbelhaus Sachen von der Stange zu kaufen. Daher bastle ich auch selbst. Beruflich, aber auch privat. Ich habe ein Häuschen auf dem Land, da gibt es immer etwas zu tun.

Wie würden Sie den Stil bei Ihnen daheim beschreiben?

Hier in Düsseldorf lebe ich in einer Altbauwohnung. Den Stilmix dort habe ich schon seit 15 Jahren (lacht). Bei mir finden Sie Designklassiker, alte Möbel, moderne Möbel. Und ich habe das Glück, dass die Architektur so schön ist, dass man auch mal einen Platz frei lassen kann, wo die Räume durch ihre Höhe wirken. Und ich habe eine alte Bar aus Frankreich. Die stammt aus der Zeit um 1900 und stand offenbar lange draußen im Regen. Ihr Holz ist ein bisschen aufgegangen und sie ist definitiv ein Einzelstück.

Wo halten Sie sich zu Hause am liebsten auf?

 Eindeutig in meiner Küche. Da wird gelebt, gekocht, gegessen (lacht). Und in der Mitte steht mein Gasherd, den liebe ich heiß und innig. Eine Feuerstelle im Haus, mit echten Flammen, das finde ich sehr archaisch. Man kann mir noch so viel von Induktion erzählen – wenn ich die Wahl habe, entscheide ich mich immer für einen Gasherd.

INTERVIEW Ulrich Clewing | FOTOS Rüdiger Nehmzow
 


Zur Person: Eva Brenner hat als TV-Innenarchitektin an die 1600 Räume gestaltet. Dass sie zum Fernsehen kam, war Zufall. Sie wurde auf einer Baustelle entdeckt und machte bereits während des Studiums in Düsseldorf Internet-TV. Später ging sie zu RTL II, wo sie bis heute die Sendung „Zuhause im Glück“ betreut. Seit letztem Jahr moderiert sie „Kaputt und … zugenäht!“ im ZDF. Eva Brenner ist Markenbotschafterin von Twercs, dem Werkzeugkoffer für moderne Heimwerker.

Auch Lust auf Handwerk?

Mit unserem praktischen Twercs Ladekoffer haben Sie die passenden Werkzeuge immer zur Hand – egal ob Bohrschrauber, Heißklebepistole, Stichsäge oder Tacker. Das Beste: Der Koffer ist Ladestation für alle vier Akku-Werkzeuge. Und auch Ihrer Kreativität helfen wir gerne auf die Sprünge – mit unseren Kreativkits zum Ausprobieren und Nachbasteln.

09.06.2017

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