Vorwerk
Eine finnische Vorwerk Kollegin verrät

Was wir von den glücklichsten Menschen der Erde lernen können

Polarnächte, lange, kalte Winter und viel Einsamkeit – als Außenstehender verbindet man mit Finnland nicht unbedingt Fröhlichkeit. Doch ein UN-Bericht bescheinigt den Finnen große Glücksgefühle. Laut „World Happiness Report 2018" sind sie die glücklichsten Menschen weltweit. Aber was macht die Finnen so besonders? Wir haben bei Vorwerk Mitarbeiterin Sinikka Lehmann nachgefragt. Die gebürtige Finnin lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland und weiß ganz genau, was wir von ihren Landsleuten lernen können.

Frau Lehmann, die Finnen sind laut „Weltglücksreport” die glücklichsten Menschen der Erde. Was ist das Geheimnis der Finnen?

Zunächst einmal haben wir einfach das Glück, in Finnland geboren worden zu sein. Das Land ist recht wohlhabend, dünn besiedelt und wir haben wahnsinnig viele unberührte Wälder und Seen. Wenn die Leute Ruhe suchen und abschalten wollen, dann suchen sie die Nähe zur Natur. Die Möglichkeit dazu ist im finnischen Alltag wohl noch wesentlich präsenter als hier in Deutschland. Vielleicht trägt das zu einer gewissen Gelassenheit bei.

Finnland ist nach Norwegen (2017) und Dänemark (2016) das dritte nordische Land in Folge, das auf Platz 1 des World Happiness Reports landet. Das kann doch kein Zufall sein?

Nein, das ist es wahrscheinlich auch nicht. Die Länder sind sich schon sehr ähnlich, sowohl was die Umgebung angeht als auch die Art und Weise, wie man aufwachsen darf. Dänen, Norweger, Schweden, Finnen – wir unterscheiden uns eigentlich nur in Nuancen.

Nun leben Sie seit mehr als 20 Jahren in Deutschland, das nur auf Rang 15 des UN-Berichts landet. Worin unterscheiden sich denn die Deutschen von den Finnen? 

Eigentlich liegen wir kulturell nicht sehr weit auseinander, weshalb ich mich als Finnin in Deutschland auch seit Jahren sehr wohl fühle. Wir Finnen sind grundsätzlich wohl noch etwas zurückhaltender und ganz bestimmt keine Smalltalk-Künstler. Wir haben kein Problem damit, leise zu sein.

Allerdings sind wir, wenn wir dann reden, deutlich direkter. In Deutschland wird vieles durch die Blume gesagt, gerade wenn es um Kritik geht. Das machte mir in meinem ersten Job nach dem Studium schon ein bisschen Mühe. Doch letztlich sind das nur kleinere Unterschiede in der Kommunikation. Im Übrigen habe ich das Gefühl, dass es gerade bei den Jüngeren auch immer mehr geschätzt wird, wenn etwas direkter angesprochen wird.

Finnen sind grundsätzlich eher zurückhaltend. Doch wenn wir reden, dann sind wir deutlich direkter als die Deutschen. 

Eine finnische Redewendung besagt: „Ab 30 Grad unter null wird es beim Joggen etwas unangenehm mit dem Atmen.“ Sind die Finnen einfach zäher und widerstandsfähiger als andere Menschen?

Ja, ich glaube das sind wir tatsächlich und darauf sind wir auch ein bisschen stolz. Wir haben den Begriff „Sisu“, der für Stärke steht, für Widerstandskraft und Durchhaltevermögen, aber auch für eine Art Dickköpfigkeit. Wenn man etwas zu tun hat, dann macht man es halt und „Basta“, wie der Italiener sagen würde (lacht). Schwierigkeiten, die dabei auftreten, sind einfach ein Teil des Lebens und gehören dazu. Sie hindern uns aber nicht, etwas zu Ende zu bringen. Und es bringt auch nichts, sich ständig zu beschweren.

Die Dänen haben „Hygge“, die Schweden „Lagom“? Gibt es auch eine finnische Zauberformel zum Glück?

Das Wort „Lagom“ aus dem Schwedischen bedeutet ja „genau richtig“ und beschreibt, alles im richtigen Maß zu tun. Und tatsächlich tendiert auch der Finne in diese Richtung. Im Finnischen gibt es den Spruch „höpö, höpö“, den man als Antwort auf fast alles geben kann. Es bedeutet so viel wie „ach, das wird schon“ oder „nicht so tragisch“, wenn etwas gerade richtig schiefgelaufen ist. Auf der anderen Seite sagt man es auch, wenn man ein Lob bekommt, ganz nach dem Motto „ach, alles halb so wild“.

Ob das jetzt schon eine Zauberformel ist, weiß ich nicht. Wir Finnen tendieren auf jeden Fall eher zum Understatement und auch Protzen liegt überhaupt nicht in unserer Natur. Materialistische Dinge machen uns selten glücklich. Wenn wir uns im Alltag etwas leisten, tragen wir das nicht nach außen.


Und welchen Luxus leisten sich die Finnen? Gibt es da etwas ganz Typisches?

Grundsätzlich empfinde ich es so, dass der Finne keine großen Luxusgüter braucht, aber schon etwas mehr ausgibt, wenn die Qualität stimmt. Nur würde in Finnland nie jemand über Geld sprechen. Was auf jeden Fall typisch finnisch ist, ist ein Sommerhaus in der Natur, das fast jeder besitzt – unser so genanntes „mökki“. Es muss kein Palast sein und ist eher einfach gehalten. Aber das ist wohl unser Luxusgut. Das, und natürlich unsere berühmte Sauna, die fast jeder zuhause hat und hier als Luxusgut angesehen wird.

Was macht das Land sonst so besonders?

In erster Linie sind es einfach die Menschen, die es wert sind, sie richtig kennenzulernen. Zwar muss man sich dafür manchmal etwas mehr Mühe geben als bei Menschen so manch anderer Nationalität, die mehr zum Plaudern neigen. Aber ich kann nur sagen: es lohnt sich. Wenn ich jetzt auf Heimatbesuch bin, dann spüre ich noch etwas mehr als früher, dass jeder so sein darf, wie er ist.

Diese Offenheit leben wir übrigens auch, wenn es um die Natur geht. In Finnland haben wir das „Jokamiehen Oikeus“, das so genannte Jedermannsrecht. Es bedeutet, dass jeder das Recht hat, den Wald, von dem wir reichlich haben, zu nutzen. Selbst wenn das Land in meinem Privatbesitz ist, darf ich niemandem verbieten, dort Beeren zu pflücken oder Pilze zu sammeln.

Und zu guter Letzt hat Finnland den Weihnachtsmann, der oben im Norden bei uns wohnt und jedes Jahr alle Kinder besucht. Wahrscheinlich auch ein Grund, warum wir Finnen so glücklich sind. (lacht)

Lassen sich dieses Glück und die finnische Lebensart denn exportieren?

Ich habe das Gefühl, dass das bereits passiert und Werte, die bei uns Finnen schon immer wichtig waren, auch anderswo immer wichtiger werden und verstanden werden. Zum Beispiel wächst seit Jahren das Interesse an unserem Schulsystem. Und die Überlegung „Wieso funktioniert etwas woanders besser als bei uns?“ ist doch ein guter Anfang. Je mehr man sich mit solchen Dingen beschäftigt, desto mehr kann man auch seine innere Haltung ändern.

Aber die schönste Art, das finnische Glück kennenzulernen, wäre natürlich, Finnland zu besuchen und selbst zu erfahren, was unsere Art ausmacht.
 

Zur Person: Sinikka Lehmann kam vor mehr als 20 Jahren für ein Aufbaustudium in Saarbrücken nach Deutschland. Weil sie anschließend direkt einen Job fand und auch ihren heutigen Mann kennenlernte, blieb sie. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Remscheid und arbeitet seit fast zwei Jahren im Group Controlling von Vorwerk.

04.05.2018

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