Vorwerk
Büroklammer und Reißverschluss

Das Funktionsdesign der kleinen Alltagshelfer

Heftzwecke, Reißverschluss, Wäscheklammer – seit Jahrzehnten nutzen wir sie in unveränderter Form. Sie erleichtern uns das Leben und sind so selbstverständlich, dass wir kaum noch einen Gedanken an ihre Herkunft verschwenden, geschweige denn an ihre Form oder Funktion. Dabei bestimmt gerade dieses Design ihre Tauglichkeit im Alltag. 

Wir schreiben das späte 19. Jahrhundert: Eine kleine unscheinbare Klammerhilfe wird um die Jahrtausendwende zum Verkaufsschlager auf der ganzen Welt. Lose Papiere zusammenheften? Ab sofort kein Problem mehr! Die Büroklammer ist für den Designwissenschaftler Thilo Schwer ein perfektes Produkt – „weil sie nicht selbst verführen oder im Vordergrund stehen will“. Stattdessen sei sie eine seit Jahrzehnten im Alltag genutzte Erfindung. „Die Urform ist so gut, dass man dem Zweck nichts Besonderes hinzufügen kann.“ Das werde auch von Designern vielfach gehuldigt. 

Die Büroklammer – Kultobjekt und formvollendetes Produkt

Der Gestaltungshistoriker Gert Selle beschreibt in seinem Buch „Design im Alltag“ die Büroklammer als „kleines Schmuckstück“, das man nur als solches wahrnehmen müsse. Anderen Kennern gilt sie zudem als geheimes Kultobjekt.

2006 sammelten der englische Möbel- und Produktdesigner Jasper Morrison und sein japanischer Kollege Naoto Fukasawa rund 200 Objekte für eine Ausstellung mit dem Titel „Super Normal“. Damit machten sie auf die Schönheit normaler Gebrauchsgegenstände aufmerksam – von der Büroklammer bis zum Sparschäler. Der Gedanke dahinter: Qualität von Design vermittle sich mehr durch den Gebrauch der Dinge als durch ihre Form.
 


Das Design des Reißverschlusses ist über 160 Jahre alt

Auch der Reißverschluss gehört zu dieser Sorte Erfindung. Wie man ihn benutzt, weiß heutzutage jedes Kind. Doch wie lange es dauerte, bis seine Funktion so ausgefeilt war, dass man ihn ohne Gewalt öffnen und schließen konnte, kann sich wohl kaum jemand vorstellen.

Mehr als 160 Jahre ist es her, seit der amerikanische Nähmaschinenentwickler Elias Howe eine neuartige Schließvorrichtung aus Laschen, Klammern und Baumwollband patentieren ließ. Wirklich praktisch war dieser Verschluss noch nicht, aber er diente als Vorlage für weitere Tüftler, die das System verfeinerten.

1917 präsentierte schließlich der schwedische Ingenieur Gideon Sundback das noch heute gebräuchliche Prinzip des Stoffbandes mit Zähnen, die über einen Schieber geschlossen und geöffnet werden. Sieben Jahre hatte er daran gesessen – mit Erfolg: Heute werden in Deutschland jährlich schätzungsweise 70 Millionen laufende Meter an Reißverschlüssen hergestellt. Aus unserem Alltag ist die praktische Ritsch-Ratsch-Technik längst nicht mehr wegzudenken.

Die Heftzwecke löste ein Problem

„Oft gilt es in einer Alltagssituation eine Verbesserung herbeizuführen“, erklärt Thilo Schwer. So erging es etwa dem Brandenburger Uhrmachermeister Johann Kirsten, der regelmäßig mit Nägeln Notizen an der Wand befestigte und den Schmerz im Daumen nicht länger hinnehmen wollte. Mittels einer Stanze verband er einen kurzen Nagel mit einem Stück Blech. Seine Erfindung nannte er „Pinne“. 1903 erwarb der Unternehmer Otto Lindstedt die Rechte daran, perfektionierte das Produkt und meldete ein Patent dafür an: Die Heftzwecke war erfunden.
 


„All diese Dinge sind produktionstechnisch so optimiert, dass sie in Massen hergestellt werden können und dadurch sehr günstig sind - egal, ob man Heftzwecken nimmt, Büroklammern oder Wäscheklammern“, so Thilo Schwer. Alltagsgegenstände seien keine Produkte, die man nur drei oder vier Mal habe und sie dann ganz bewusst nur zu einem Zweck benutze. „Stattdessen sind sie in Mengen vorhanden, sodass man sie mehrmals und in verschiedenen Kontexten einsetzen kann.“

Durch funktionales Design vielseitig einsetzbar

Als moderneres Beispiel für die unterschiedlichen Verwendungszwecke nennt er den Kabelbinder – ein Produkt, das eine technische Funktion erfülle und deshalb auch zur Improvisation einlade: „Kabelbinder werden sowohl vom Elektriker eingesetzt, um Kabel zusammenzufassen, als auch beim Campen für die Fixierung des Zelts. Und die Polizei nutzt sie mittlerweile als Ersatz für Handschellen.“

Aus Schwers Sicht lohnt es sich, solche Alltagsgegenstände einmal in den Fokus zu setzen und neu für sich zu entdecken. „Je mehr man über die Produktionsgeschichte und ihr Material weiß, desto mehr versteht man eigentlich, wie genial das Produkt ist. Da gerät man schon ein bisschen ins Staunen.“

Das Design der großen Alltagshelfer

Nicht nur die kleinen, auch die größeren Alltagshelfer wie jene von Vorwerk bestechen durch ihr funktionales Design. Egal ob der Ladevorgang von vier Akkugeräten im Twercs Koffer, die intuitive Bedienung des Thermomix oder die mühelose Steuerung des Kobold VR200 Saugroboters – die einfache Handhabung und Funktionalität bei gleichzeitig hochwertiger Qualität sind wichtige Gesichtspunkte guter Design-Arbeit.

08.08.2017

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