Vorwerk
Markendesign mit Wiedererkennung

„Das ist ja ein richtiger kleiner Kobold“

Viel Weiß, etwas Anthrazit und das markante Grün auffällig reduziert - pünktlich zum 130. Firmenjubiläum setzte Vorwerk 2013 einen Meilenstein auf dem Weg zu seinem modernen und preisgekrönten Markendesign. Ausgangspunkt für die neue Farbgebung: Die Überarbeitung einiger Kobold Geräte wie die des VK150. Was viele nicht wissen: Schon einmal beeinflusste der Staubsauger die Geschicke des Unternehmens…

„Das ist ja ein richtiger kleiner Kobold“, ruft Grete Florin begeistert aus, als ihr Engelbert Gorissen 1930 den neu geschaffenen Staubsauger aus dem Hause Vorwerk vorstellt. Die Sekretärin des damaligen Chefingenieurs assoziiert mit dem handlichen Gerät wohl die Eigenschaften eines helfenden Hausgeists – und gibt dem Gerät damit jenen Namen, den es bis heute trägt.

In den Folgejahren erobert der Kobold die Haushalte deutscher Familien – und wird zur bekanntesten Staubsaugermarke im Land. Sein Wiedererkennungsmerkmal: Das markante Kobold-Grün. Dabei haben es Gorissen und die Vorwerk-Geschäftsführung zu Anfang schwer, die Menschen von ihrem neuen Produkt zu überzeugen.
 


Denn so schnell Grete Florin die Einsatzmöglichkeiten des Staubsaugers erkennt – so skeptisch sind die Kunden, die nur große und voluminöse Reinigungsgeräte gewohnt sind. Dass der kleine Kobold mit seinem reduzierten Design die gleiche Leistungsfähigkeit aufbringen soll, können sie sich erst einmal nicht vorstellen. Erst die Idee, den Staubsauger im Direktvertrieb direkt in den Haushalten vorzuführen, ändert ihre Meinung – und beeinflusst die Ausrichtung des Unternehmens maßgeblich.


Und auch die Erfindung des Kobolds selbst ist für Vorwerk ein echter Durchbruch. Denn der in der hauseigenen Maschinenfabrik hergestellte Motor ist zunächst für ein Grammophon gedacht und wird mit dem Aufkommen des Radios kaum noch benötigt. Ihn in einem Staubsauger zu verbauen, ist in Anbetracht des Zusammenbruchs des Weltmarkts nach dem „Schwarzen Freitag“ 1929, letztlich nicht nur eine zukunftsweisende, sondern sogar eine rettende Idee. Über 80 Jahre später hat sich aus dem Kobold Staubsauger eine ganze Produktfamilie entwickelt – mit einem zeitgemäßen Gesicht. Aus dem neuen Farbcode des Akkusaugers VC100 wurde sogar das Kommunikationsdesign der Dachmarke Vorwerk abgeleitet. Die neue Hauptfarbe Weiß und die traditionelle Akzentfarbe Grün finden sich heute in allen Produkten wieder. Der eingearbeitete Anthrazit-Ton der Geräte vermittelt zudem Kraft, Solidarität und Langlebigkeit – wie ein echter kleiner Kobold eben! 

Interview
Drei Fragen an Uwe Kemker
„Heute bekommt das Grün eine viel größere Aufmerksamkeit“

Als Leiter Design bei Vorwerk zeichnet Uwe Kemker maßgeblich verantwortlich für das weiß-grüne Facelift der Vorwerk Produkte. Wir haben mit ihm über die neue Optik gesprochen.

Aus Markensicht braucht man natürlich einen solchen Wiedererkennungswert. Schließlich sind unsere Produkte die Visitenkarte des Unternehmens und haben auch eine emotionale Komponente. Sie sind die engste Schnittstelle, die der Kunde überhaupt zu unserer Marke haben kann, weil er die Produkte im Alltag regelmäßig nutzt. Deshalb müssen die Geräte im Übrigen auch für den Gebrauch verständlich sein.

Der bisherige hohe Dunkelgrünanteil der Farbgestaltung gab den technologischen Inhalten nicht genügend Raum. Die innovative Technik wurde vom Farbcode überdeckt. Deshalb wollten wir einen „Genetischen Code“ im Produkt- und Farbdesign entwickeln, der zeitgemäß ist, aber auch langfristig wirkt. Durch die Reduktion des Grünanteils und den Kontrast zur Farbe Weiß bekommt das Vorwerk-Grün heute eine viel größere Aufmerksamkeit.

Dass unsere Produkte darüber hinaus ohnehin einen hohen Wiederkennungswert haben, hat uns vor Jahren ein Marktforschungstermin vor Augen geführt. Damals haben wir neue Entwürfe des Kobolds komplett grau eingefärbt und so den Teilnehmern der Testgruppe vorgestellt. Obwohl sich bei einem der Geräte nur am Kabel ein kleines graues Lackteil gelöst hatte, erkannte eine der Testpersonen, dass es sich um einen unserer Staubsauger handelte.

Nachdem wir mit dem VC100 und dem VR100 als Pilotprojekte im neuen Produkt- und Farbdesign entworfen hatten, war es das natürliche logische Ziel, dies auf die gesamte Produktpalette zu übertragen. Dieses Vorhaben hat zwar das Management zunächst in Erstaunen versetzt, fand aber gerade hier eine breite Unterstützung, um das Markenbild zu erneuern.

Was mich persönlich besonders gerührt hat, war die Reaktion der Monteurinnen bei einem Besuch in einer unserer Fertigungshallen. Die Frauen kamen auf mich zu und hielten den Kobold Staubsauger wie ein Baby in ihren Armen. Dass selbst die Werker stolz auf das Produkt sind, das sie tagtäglich fertigen, gibt einem schon ein gutes Gefühl. Und schließlich geht es bei gutem Design eben auch immer um Emotionalität.

08.08.2017

Mehr zum Thema

Interior Design Tipps

So setzen Sie Trendfarben richtig ein!

Schwarz-weiß war gestern, intensive Farben liegen bei der Inneneinrichtung wieder Trend. Doch in welches Zimmer passt welcher Farbton? Und wie lassen sich verschiedene Farbnuancen kombinieren? Wir haben ein paar Vorschläge.

Office Design

Wo sind plötzlich all die Türen hin?

Offen, flexibel, modern – die Arbeitswelt von heute fordert auch Veränderungen bei der Planung von Büroräumen. Die neue Zentrale von HECTAS ist ein gutes Beispiel für das neue Office Design.

Büroklammer und Reißverschluss

Das Funktionsdesign der kleinen Alltagshelfer

Ob Büroklammer oder Heftzwecke – wir nutzen täglich viele Dinge, deren funktionales Design auf kluge Erfinder zurückgeht. Wir stellen ihnen die kleinen Helfer einmal genauer vor.

Weiterlesen

Vernetztes Wohnen

„Selbstlernende Smart Home Systeme stehen in den Startlöchern“

Das voll vernetzte Haus ist zwar noch eine Zukunftsvision, doch Geräte und Steuerungssysteme werden schon heute immer smarter. Wie alltagstauglich das Smart Home bereits ist und welche Herausforderungen noch auf uns warten – ein Smart Home Experte klärt auf.