Vorwerk
“Du bist, was du isst - und öffentlich zeigst“

„Food Porn“: Essensfotografie als neuer Lifestyle

Im Internet wimmelt es von Bildern mit bunten Burgern, frischen Smoothies und leckeren Törtchen. Fotografiert von Menschen, die ihr Essen zuerst für die Fans im Netz festhalten, bevor sie mit dem Verzehr beginnen. Auch nach Jahren reißt dieser Trend nicht ab und viele Menschen haben die Inszenierung ihres Essens nahezu perfektioniert. Aber was genau steckt hinter dem Trend? Und wie schießt man das perfekte Food Foto? Wir haben uns umgehört.

Sucht man bei Google nach dem Begriff „Food Porn“ erscheinen über 50 Millionen Treffer, bei Instagram sind unter dem gleichnamigen Hashtag fast 130 Millionen Bilder sichtbar. Sie zeigen schmackhaft aussehende und modern servierte Speisen und Getränke. Bestens fotografiert mit aktuellen Smartphones oder Digitalkameras. Frei nach dem Motto "du bist, was du isst – und öffentlich zeigst“ finden sich im Netz tausende Anhänger des neuen Trends. Sie präsentieren mit Vorliebe selbst zubereitetes Essen; aber auch ein Menü im Restaurant oder ein Snack im hippen Café um die Ecke werden gerne in sozialen Netzwerken gezeigt.
  


Food Porn – das neue individuelle Kochbuch

Food Porn – bis vor ein paar Jahren hätte hierzulande noch kaum einer mit dem Begriff etwas anfangen können. Zwar sind wir eine derartige Präsentation des Essens aus Kochbüchern oder Fernsehsendungen gewohnt. Immer häufiger sind es aber inzwischen auch Hobbyköche, die zu Fotografen werden – und auf Wunsch das Rezept dazu gleich online mit veröffentlichen. Das Netz entwickelt sich somit zum größten Kochbuch der Welt.

Doch was treibt Menschen an, ihre individuellen Essensideen ins Netz zu stellen? Sascha Lobo lieferte darauf in seiner Spiegel Online-Kolumne eine treffende Antwort: Nach seinem Verständnis ist Essen „das perfekte, nonverbale (und damit internationale verständliche) Symbol zur Inszenierung der eigenen Persönlichkeit“. Deshalb funktioniere es in sozialen Medien so gut. Hinzu käme, dass Essen und damit Food Porn „als Angelpunkt für den eigenen Lebensstil, zur Identifikation, als Ersatzreligion, als sozialer Kitt, als Überzeugungstat“ gelte. 

Essen als Lifestyle

Im Trend und für den Austausch von Rezepten bestens geeignet sind neben Instagram und Pinterest die vielen Food Blogs und Facebook-Gruppen zu verschiedenen Ernährungsformen wie etwa „Low Carb“ oder „Vegan“. Sie zeigen, welche Bedeutung das Thema Ernährung in den letzten Jahren gewonnen hat und wie stark sich das Bewusstsein in diesem Punkt gewandelt hat. Vor allem junge Menschen beschäftigen sich wieder mit dem Zubereiten von Speisen und dem Ausprobieren von neuen Food Trends. Das zeigt sich beispielsweise durch das immer größer werdende Angebot an Street Food Märkten.

Essen ist längst zum Lifestyle geworden und Food Fotos gehören wohl zu den am häufigsten geteilten Inhalten im Netz. Das Auge isst ja bekanntlich mit. Und wenn die Ästhetik des Essens stimmt, schmeckt es doch gleich viel besser. Wer Tipps braucht, erhält diese gleich von der Community. Ganz egal, ob es um das Verfeinern von Saucen, Toppings oder neue Anrichtungsformen für die Speisen geht.
 


Wie Food Fotografen arbeiten

Inspiration kann man sich auch bei den Profis holen. Einer, der sich regelmäßig mit dem professionellen Fotografieren von Food Trends und deren Rezepten beschäftigt, ist der Food Fotograf Martin Gentschow. Am liebsten fotografiert er „buntes Essen“, also zum Beispiel frisches Gemüse und Kräuter oder auch Obst. „Das sieht per se einfach schon toll aus“, sagt er. Denn bei der Food Fotografie gehe es auch um Farben, Formen und deren Komposition. Rote Bete und Grünkohl nennt er als gelungenes Beispiel von Form und Farbe. Doch bis das perfekte Foto steht, ist einiges an Vorbereitung nötig.
 


Im Fotostudio mit Küche und allerlei Requisiten unterstützen ein Food Stylist und eine Assistentin. Der Food Stylist besorgt im Vorfeld schon die Lebensmittel für das Shooting. Bei aufwändigeren Jobs wird noch eine Prop-Stylistin gebucht, diese kümmert sich ausschließlich um das Drumherum wie etwa Teller, Gläser, Tücher etc. Geplant werden die Food Motive gemeinsam. Der Food Stylist kocht das Gericht. Wenn es fertig ist, haben Gentschow und seine Assistentin schon Hintergrund, Lichtstimmung und Requisiten inszeniert, so dass nur noch der Teller mit der Speise ausdekoriert werden muss.

Natürlich dürfen kleine Tricks und Kniffe nicht fehlen. „Das Wichtigste ist frische Ware“, sagt er. „Das Klischee vom Sekundenkleber und Haarspray können wir nicht bedienen, denn meistens kann man die fotografierten Gerichte noch essen.“ Auch funktioniere nicht jedes Licht mit jedem Gericht. „Manchmal muss es spannender sein, manchmal allgemeiner“, so der Fotograf. Das Ziel ist es, dass die Gerichte zuhause genauso aussehen wie in den Kochbüchern – gerade für die Thermomix Kochbücher ist dies eine strikte Vorlage. Hier darf nichts künstlich verschönert oder nachbearbeitet werden.

Irgendwann käme dann der Punkt, wo sie vor dem Bild stehen und befinden, dass es „fertig“ ist. Zu sehen sind seine Bilder dann kurze Zeit später in zahlreichen Cookidoo® Kollektionen. Weitere Ideen für perfekte Food Bilder finden sich hier.

08.08.2017

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