Vorwerk
5 Profi-Tipps für mehr Kreativität

Was wir von Design-Profis lernen können

Blockade im Kopf, keinerlei Inspiration und nicht die Spur einer guten Idee? Kreativität lässt sich trainieren. Ein Designer, ein Kreativcoach und die Akademische Leiterin der HPI School of Design Thinking geben Tipps für mehr Inspiration.

Ein wichtiges Projekt steht an, gute Ideen müssen her. Doch das Hirn streikt, die Gedanken wandern immer in dieselbe Richtung. Inspiration? Fehlanzeige. Dabei gibt es einfache Methoden, um die eigene Kreativität in Gang zu bringen.

Tipp 1: Nach draußen gehen und inspirieren lassen

Wer geübt ist, kann an jedem Ort kreativ sein. Doch den gewohnten Arbeitsplatz finden wohl die wenigsten Menschen besonders inspirierend. „Gehen ist sehr gut“, empfiehlt stattdessen Peter Pakulat, der mit seiner Agentur „Freigeisterei“ Kreativitätstrainings für Unternehmen und Führungskräfte anbietet. „Beim Spaziergang bekommen Sie ständig neue Inspiration – allein durch den Ortswechsel.“ Zudem sei die Natur für viele sehr angenehm, weil sie beruhige und dadurch Platz geschaffen werde für neue Gedanken und Inspiration.

Claudia Nicolai, akademische Leiterin der HPI School of Design Thinking, setzt zudem auf einen Arbeitsbereich, der sich auf einfache Weise verändern lässt. „Bei uns sind die Möbel flexibel, wir arbeiten oft im Stehen. Jeder soll sich den Raum so gestalten können, dass er sich wohlfühlt und kreativ werden kann.“

Tipp 2: Nicht alleine arbeiten

Wer nach guten Ideen fahndet, wird schnell merken, dass es zu zweit oder in der Gruppe oft viel leichter geht. Mehrere Köpfe, die in unterschiedliche Richtungen denken, können sich gegenseitig inspirieren. „Man sollte sich immer frühzeitig andere als Ideengeber und auch Challenger dazu holen“, empfiehlt Nicolai. Diese könnten einerseits helfen, Ideen zu entwickeln und andererseits dazu beitragen, sie noch weiter auszufeilen und zu verbessern.

Sinnvoll ist es auch für Unternehmen und deren Arbeitsprozesse, Männer und Frauen verschiedenen Alters aus unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedenen Funktionen zu mischen, damit sich verschiedene Perspektiven kreuzen und gegenseitig anregen. An der HPI School of Design Thinking stammen die Mitarbeiter des Teams beispielsweise aus unterschiedlichen Fachrichtungen, Universitäten und Nationen. Professoren und Studenten arbeiten eng miteinander zusammen.

Für Kreativcoach Pakulat fängt diese inspirierende Mischung bereits im eigenen Bekanntenkreis an: „Man sollte sich nicht nur mit Menschen desselben Alters, aus dem gleichen kulturellen Umfeld und der gleichen Bildung umgeben, sondern für Vielseitigkeit sorgen.“
  


Tipp 3: Struktur vorgeben

„Wenn Sie vollkommen frei an ein Thema herangehen, weiß das Gehirn überhaupt nicht, was es machen soll“, so Peter Pakulat. Stattdessen sei Kreativität in Wirklichkeit ein sehr strukturierter Prozess. „Das, was sich uns als Geistesblitz präsentiert, kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist erarbeitet worden.“ Dafür gelte es Fahrpläne zu erstellen und bestimmte Techniken vorzugeben.

Felix Thies, Designer bei Vorwerk, arbeitet gern nach der Walt-Disney-Methode. Bei diesem Verfahren geht es darum, allein oder in der Gruppe unterschiedliche Rollen einzunehmen. Zunächst kommt der Träumer an die Reihe. Er darf ins Blaue denken, darüber nachsinnen, was er sich wünschen würde, wenn er könnte, sich ideale oder auch ganz verrückte Situationen ausmalen. Der Realist macht sich danach darüber Gedanken, wie etwas in die Tat umgesetzt werden könnte, was der Träumer sich ausgedacht hat, und was notwendig wäre, um dessen Plan in die Praxis umzusetzen. Schließlich gibt es noch den Kritiker. Er hat die Aufgabe, das Traumgespinst daraufhin abzuklopfen, ob es tatsächlich realisierbar ist, was man verändern und verbessern müsste und was dabei vielleicht übersehen wurde.

„Ich finde den Ansatz gut, den kreativen Prozess in mehrere Phasen einzuteilen“, so Thies. Die Walt-Disney-Methode könne man zudem gut mit anderen Kreativ-Techniken kombinieren. Das Brainstorming sei beispielsweise eine gute Technik, um schnell viele Ideen zu generieren, wobei die Qualität auch stark vom Team und der Leitung des Brainstormings abhänge. „Eine Mindmap verwende ich hauptsächlich, um komplexe Aufgaben zu strukturieren und visuell darzustellen.“ Der Unterschied zwischen einem Brainstorming und einer Mindmap sei die Arbeitsweise, die bei der Mindmap strukturiert und konzentriert sei und für ein Brainstorming sehr frei und gelöst sein solle.
 


Tipp 4: Die Perspektive wechseln

Im Bereich der Produktentwicklung ermutigt Claudia Nicolai ihre Studenten immer wieder dazu, sich auf etwas Neues einzulassen und Dinge einfach auszuprobieren. Für Inspiration bei der Suche nach einem bestimmten Design sorgt häufig der Blick über den Tellerrand. „Wir suchen Anregung von woanders, gucken zum Beispiel in die Natur oder besuchen eine Produktionsstätte und sprechen dort mit Leuten, die mit einem bestimmten Produkt zu tun haben.“

Felix Thies nutzt gern die Kopfstandmethode, um sich in eine neue Perspektive zu versetzen. Statt nach guten Möglichkeiten zu suchen, um etwas zu verbessern, wird hierbei der Spieß kurzerhand umgedreht und man überlegt bewusst, was die Lage verschlechtern würde. Thies empfindet die Technik als sehr hilfreich: „Dadurch finde ich häufig neue Ansätze oder Fragestellungen“, so der Designer.

Peter Pakulat empfiehlt zudem, Fremdes zu kombinieren: „Ich schlage ein Magazin auf und schaue mir Bilder an. Das, was man dort findet, versucht man eins zu eins oder im übertragenen Sinn mit seinem Thema zu verbinden.“ Ob Mode, der Stau auf der Autobahn, Politiker, Gebäude oder hohe Kunst sei dabei vollkommen egal. „Was dann funktioniert, ist hoch originell, weil es überraschend irgendetwas kombiniert, worauf das Gehirn von alleine gar nicht gekommen wäre.“

Tipp 5: Einfach machen

Niemand kann richtig kreativ werden, wenn ihm jemand im Nacken sitzt und darauf pocht, was alles nicht realisierbar ist. „Druck ist der Kreativitätskiller Nummer eins“, so Kreativitätscoach Pakulat. Das könne sowohl Zeitdruck, als auch der Druck durch Vorgesetzte oder andere Vorgaben wie ein geringes Budget sein.

Darum gilt: Einfach erstmal machen, träumen und auch verrückte Sachen zulassen. „Erst wenn man viele Ideen hat, sollte man die Ideen auch bewerten“, so der Kreativitätscoach. „Dann kann man natürlich sagen: ‚Ist zu teuer, ist Quatsch, können wir nicht.‘ Aber nicht schon in der Findungsphase, da muss man sich was trauen.“„Es ist wichtig, sich immer auf neue Herausforderungen einzulassen, auch wenn sie nicht immer logisch erscheinen“, so Designer Felix Thies.

Alle Kreativitätstechniken zu beherrschen, sei dabei gar nicht so wichtig: „Man sollte herausfinden, welche Methode zu einem passt und diese gezielt anwenden.“ Für Claudia Nicolai gilt beim Design Thinking das Credo: Scheitern ist erlaubt. Niemand solle dabei eingeschränkt werden, seine Idee weiterzuentwickeln. Wichtig ist für sie dabei, den theoretischen Gedanken auch tatsächlich in die Realität umzusetzen: „Gestaltung ist nicht nur eine Idee im Kopf. Man muss die Idee wirklich bauen und vor Augen haben, um zu sehen, ob sie funktioniert.“

Innovation made by Vorwerk

Mit über 130 Jahren Erfahrung erarbeiten die Vorwerk Produktentwickler auch heute noch neue, patentierte Ideen rund um Kobold, Thermomix und Co. Alle neuen Produkte und ihre individuellen Features sind das Ergebnis vieler Kreativprozesse und einem ständigen Streben nach Verbesserung. Aber nicht nur die Funktionalität, sondern auch das Design ist Teil einer vielfältigen Produktwelt, die nicht umsonst mit vielen Design Awards ausgezeichnet wurde. 

08.08.2017

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