Vorwerk
Richtig entrümpeln

Aufräumtipps für die Wohnung

Einmal richtig den Haushalt entrümpeln, Unnützes aussortieren und sinnlosen Ballast loswerden. Experten sind sich weltweit einig: Aufräumen befreit. Wer sich zum großen Reinemachen aufrafft, wird schnell feststellen, wie schön Ordnung sein kann.

Doch richtiges Entrümpeln braucht Zeit. Wer vorhat aufzuräumen, sollte in Ruhe an die Sache herangehen und sich überschaubare Etappenziele setzen. Ein paar Urlaubstage gehen vielleicht drauf, um den Haushalt zu durchforsten. Aber wer richtig ausmistet, hat etwas davon. Gunda Borgeest ist Aufräumexpertin und berät Kunden in München und Berlin, wie sie Ordnung in ihr Leben bringen können. Sie weiß: „Ordnung hat etwas Positives. Wenn die Grundstruktur stimmt, fühlt man sich leichter in der Wohnung. Das kann auch dazu führen, dass man im eigenen Leben aufräumt.“ Wie man das große Ausmisten Raum für Raum angeht? Hier ein paar Tipps: 

Der Eingangsbereich: Besserer Eindruck mit weniger Jacken und Schuhen

Schon der erste Eindruck zählt: Wer eine Wohnung betritt, möchte nicht zuerst den überquellenden Schuhschrank und die voll gehängte Garderobe sehen. Stattdessen sollte die Ecke gegenüber der Tür, die man beim Hereinkommen zuerst im Blick hat, frei und aufgeräumt sein. Ein sauberer Eingangsbereich erweckt unbewusst ein angenehmes Gefühl.

Die Schwedin Paulina Draganja schreibt einen Blog mit vielen Tipps zum Thema Aufräumen und hat gerade ihr erstes Buch veröffentlicht. Ihre Beobachtung: „Der Flur scheint eine der größten Herausforderungen zu sein. Wir wollen viele Sachen dort unterbringen, aber keine Zeit dafür aufwenden, sie zu organisieren.“ Ihr Lösungsvorschlag: Einen Teil der Kleidungsstücke und Schuhe je nach Jahreszeit aus dem kleinen Eingangsbereich verbannen und an anderer Stelle verstauen. Dann ist auch mehr Raum für die Garderobe der Gäste. 

Das Wohnzimmer: Ausmisten in fünf Kisten 

Gemeinsam essen, spielen oder einfach nur auf der Couch entspannen – für viele ist das Wohnzimmer wohl der wichtigste Ort im eigenen Zuhause. „Eigentlich ein Zimmer der gegenseitigen Rücksichtnahme“, sagt Aufräumexpertin Gunda Borgeest. Ihrer Erfahrung nach wird der Raum jedoch problematisch genutzt: Hier eine Anrichte mit Gläsern, dort ein Zeitungsstapel, der eigentlich zum Altpapier gebracht werden könne. „Im Wohnzimmer ist so alles und nichts.“

Wer wirklich entrümpeln wolle, müsse sich zuallererst darüber klar werden, was er alles habe und wie viel er davon wirklich brauche. Borgeest empfiehlt, nach Kategorien auszusortieren und alle Bücher, alles Geschirr oder alle DVDs aus der gesamten Wohnung an einem Platz zusammenzubringen. „Dann sieht man erstmal, wie viel man von einer Sache hat.“

Schon dieser heilsame Schock könne Menschen dazu bringen, sich von Dingen zu trennen. Danach arbeitet Borgeest mit dem Fünf-Kisten-Prinzip. Je nach Überlegung wird eine Sache in eine von fünf Kisten verfrachtet: Eine zum Verschenken, eine zum Wegwerfen, eine für den Verkauf, eine für Dinge, die repariert werden müssen, und eine Vielleicht-Kiste, über deren Inhalt jetzt gerade noch nicht entschieden werden kann. Nach Möglichkeit sollten alle Dinge, die weg können, auch noch am selben Tag das Zuhause verlassen. Genauso wichtig: „Die letzte Vielleicht-Kiste sollte keine Ausredekiste werden, die im Keller verstaubt.“ Stattdessen setzt man sich eine Frist von maximal zwei Wochen, innerhalb der man entscheidet, was mit ihrem Inhalt geschehen soll.

Vielleicht regen die vielen überflüssigen Dinge auch die eigene Kreativität an: Bücherstapel können zu edlen Nachttischen und Regalen umfunktioniert werden oder dienen in der Küche als Messerblock. Überzählige Bestecke werden gebogen und an alte Holzbrettchen geklebt zu stilvollen Kleiderhaken. Dank Upcycling entstehen so fantasievolle Unikate, die das eigene Zuhause verschönern und ein gutes Gefühl schaffen: Nichts weggeworfen, nichts Neues gekauft, aber aussortiert und aus dem Entrümpelten etwas Sinnvolles geschaffen.
 


Das Schlafzimmer: Ordnung schaffen hilft beim Schlaf

Herumliegende Haufen von Kleidung, ein voll gehangener Wäscheständer, die Ablage in der Ecke, auf dem sich Papiere stapeln: All das kann das Einschlafen erschweren. Darum ist gerade hier Ordnung wichtig.

Für mehr Platz im Kleiderschrank empfiehlt Gunda Borgeest Hemden, T-Shirts, Kleider und Röcke auf schmale Drahtbügel zu hängen, wie es sie in der Reinigung gibt. „So kann man sie auch direkt nach dem Waschen trocknen lassen.“ Seinen Kleiderschrank effektiv entrümpeln kann man, indem man sich bei jedem Kleidungsstück ehrlich fragt: Passt es noch? Gefällt es mir noch? Brauche ich es noch? Danach ab in eine der fünf Kisten. Borgeest stellt klar: „Aussortieren bedeutet nicht wegschmeißen.“ Vielmehr empfiehlt sie, Guterhaltenes, das nicht mehr gebraucht wird, an die Diakonie, Oxfam oder andere soziale Einrichtungen weiterzugeben, um damit anderen noch etwas Gutes zu tun.

Nicht vergessen sollte man beim Aufräumen den Blick unters Bett oder die Couch. Hier findet man oftmals nicht nur längst Vergessenes oder Verlorengeglaubtes, sondern auch allerlei Nützliches oder Skurriles. 

Die Küche: Aufräumtipps für Schubladen und Schränke

Gerade in der Küche ist es wichtig, genug Raum zum Arbeiten zu haben. Auf der Arbeitsfläche sollten nur Dinge stehen, die auch regelmäßig gebraucht werden. Gunda Borgeest verweist zudem auf die Ordnung innerhalb der Küchenschränke: „Es ist wahnsinnig nervig, wenn man erst etwas wegschieben muss, um an etwas anderes heranzukommen.“ Deshalb gelte auch in der Küche das Prinzip der Reduktion: Wie viele Plastikboxen müssen es sein? Welche Kaffeetassen werden noch genutzt? Und auf welche Haushaltsgeräte kann man vielleicht verzichten?

Darüber hinaus gibt die Aufräumexpertin den Tipp, sich einheitliche Aufbewahrungsbehälter für Reis, Nudeln und Mehl zuzulegen oder Gewürze in hübsche Gläser abzufüllen. Denn: „Schöne Ordnung macht Freude.“
 


Das Badezimmer: Reserven an anderer Stelle verstauen

„Das Badezimmer ist ein kleiner Raum, der von allen und oft zur selben Zeit genutzt wird“, sagt Paulina Draganja. Ihr Aufräumtipp: „Hier sollten nur Dinge gelagert werden, die regelmäßig genutzt werden. Reserven von Zahnpasta, Rasiergel oder Toilettenpapier müssen woanders verstaut werden.“

Auch Gunda Borgeest rät: „Je weniger offen herumsteht, desto besser.“ Wer zusätzlich in farblich zusammenpassende Handtücher und hübsche Druckbehälter aus Porzellan für Shampoo und Co investiere, sorge mit kleinem Aufwand für große Wirkung.

Übrigens: auch der Inhalt des Putzschranks lässt sich deutlich reduzieren. Laut Experten der Stiftung Warentest braucht es nicht viel mehr als Universalreiniger, Scheuermilch und Reiniger auf Basis von Essig- oder Zitronensäure. Dazu Tücher aus Mikrofaser, Putzschwämme zum Abkratzen von Schmutz, einen Besen mit Kehrschaufel, Staubsauger und ein Wischgerät mit passendem Mopp.

03.02.2017

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