Vorwerk
Weniger wird mehr

Minimalismus als neuer Lebensstil

Liebe Leserin, lieber Leser, die Welt wird komplexer und stressiger. Von Termin zu Termin hetzen, unterwegs am Imbiss stoppen und daheim stapeln sich viele Dinge, die die Welt nicht braucht? Für achtsame Menschen wie den Minimalisten ein Unding. Getreu dem Motto „weniger ist mehr“ plädieren die modernen Aussteiger für eine neue Einfachheit − ein bewusst einfaches Leben ohne Ballast und Stress, in dem mehr Zeit bleibt für die wesentlichen Dinge.

„Eine reduzierte Lebensform ist eine Möglichkeit, mit der wachsenden Komplexität unserer Gesellschaft umzugehen“, sagt Bernd Vonhoff, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Soziologinnen und Soziologen. Ein „immer mehr, immer besser, höher, schneller, weiter zeigt sich für viele Menschen als Auslaufmodell anzustrebender Lebensformen, weil es auf Dauer nicht zufrieden macht.“ Einher geht der Minimalismus-Trend mit einem nachhaltigen Konsumverhalten, mit Entrümpelung und mehr Ordnung im Haushalt wie Alltag sowie zuweilen auch mit Konsumverzicht.

Worauf Minimalisten beim Einkauf achten

Doch zum Glücklichwerden muss nicht gleich jeder seine Besitztümer auf 100 Dinge reduzieren, wie es einige bloggende Minimalisten propagieren. Manchmal reicht es schon, seinen Alltag so zu re-organisieren, dass wieder Raum für kreative Ideen und persönliche Erlebnisse mit Familie und Freunden entsteht. Wenn nebenbei Schränke und Schubladen ausgemistet werden und man nur noch die Dinge behält, die wirklich wichtig oder nützlich sind, kann dies zusätzlich befreiend wirken. Denn Minimalismus bedeutet auch, einzelne Dinge wieder wertzuschätzen.

Wenn Minimalisten einkaufen, entscheiden sie sich für bewussten Konsum. Das bedeutet: Neuanschaffungen wählen sie mit besonderer Sorgfalt aus. Eine gute Qualität ist ihnen wichtig, ein schickes Design soll das Produkt haben und in der Funktion nützlich sein. Gut geeignet sind Dinge, die das Leben einfacher gestalten: Laptops und Smartphones natürlich, aber auch Geräte, die alltägliche Hausarbeiten wie Kochen, Aufräumen und Putzen erleichtern. 

Minimalismus ist zum Bedürfnis geworden

Wie man „minimalistisch wohnen“ letztendlich für sich definiert, ist eine persönliche Entscheidung. Noch gibt es hierzu kaum Forschung. Festzustellen ist aber, dass „Simplify your life“, wie es schon Werner Tiki Küstenmacher und Lothar J. Seifert in ihrem Weltbestseller von 2001 andeuteten, zu einem lauter werdenden Wunsch, wenn nicht zu einem dauerhaften Bedürfnis vieler Menschen geworden ist. Die Suche nach Rezepten für ein glückliches Leben erreicht hierzulande mittlerweile viele Bevölkerungsgruppen − in besonderem Maße junge Menschen und Familien, die ihr Leben anders als ihre Eltern lenken möchten, sich aber auf wesentliche Werte rückbesinnen wollen.

Häufig entscheiden sich Akademiker oder Pragmatiker aus gut situierten Haushalten für einen minimalistischen Lebensstil. „Interessant wird die Bewegung, wenn jemand, der vorher in einer Villa gelebt hat, in eine Drei-Zimmer-Wohnung zieht, um zufrieden zu sein“, berichtet der Soziologe Bernd Vonhoff. Eigentlich müssten all diese Personen nicht mit weniger leben, sie wollen es aber. Selbstbestimmtheit und Individualismus spielen hier eine große Rolle.
 


Wie Ausmisten das Leben vereinfacht

Da gibt es zum Beispiel Michael Klumb, den Augenoptiker aus Bergisch Gladbach, der in seinem Ein-Zimmer-Appartement 2.500 CDs im Regal und anderes Zeugs hortete. „Alles war zugestellt. Ich kam nicht mehr hinterher aufzuräumen“, erzählt er. Klumb mistete im großen Stil aus. Ein Schlafsofa, ein Kleiderschrank sowie eine Schrankwand mit Fernseher sind übrig geblieben sowie „das Gefühl von Klarheit und Befreitheit.“

Student Sebastian Michel aus Berlin umgeben heute nur noch Sachen, die ihn interessieren. Die meisten befinden sich auf seinem Laptop. Der Rest seines WG-Zimmers besteht aus Bett, Kleiderstange, Leuchte sowie einem Bild und einer Box mit Kleinkram. „Maximale Entspannung“ nennt er seine neue Wohnumgebung.

Den Effekt des Entrümpelns kann auch Christiane Varga, Raumsoziologin beim Zukunftsinstitut bestätigen. „In unserer Welt wird es schwerer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – nämlich sich selbst.“ Zu viele materielle Dinge würden beim Fokussieren ablenken.

Ebenfalls an der Vereinfachung ihres Lebens arbeitet Familie Kähler an der Ostsee. Die Anzahl an Küchenutensilien, Schuhen oder Kosmetikartikeln haben sie auf die Hälfte reduziert. Und auch der Freizeitstress hat abgenommen, seitdem sie nach der Arbeit maximal zu einem Termin fahren und sie angefangen haben, die Wochenenden nicht mehr zu verplanen.
 


Minimalismus ist nicht neu

Dabei lassen sich materiell reduzierte Lebensstile nicht nur auf unser modernes, postkapitalistisches Leben zurückführen. Schon seit Jahrtausenden existieren verwandte Lebensformen wie etwa die Askese. Im christlichen, hinduistischen und buddhistischen Glauben spielt der Verzicht auf die Anhäufung von materiellen Gütern eine Rolle. Weltliche Ansätze für ein glückliches Leben lassen sich bis in die Antike verfolgen.

In Amerika plädierte vor allem der Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau für einen einfachen Lebensstil, in Deutschland wehrte sich Friedrich Nietzsche gegen einen „sinnentleerten Materialismus.“ Später waren es die Hippies der 60er und 70er Jahre, die einen alternativen Lebensstil abseits der Konsumkultur forderten. Heute ist die Rückkehr zum Minimalismus ein Trendthema in der Mitte der Gesellschaft geworden und gleichzeitig eine Antwort auf die vielen To-dos des Alltags.

Bewusster leben, wohnen, konsumieren – erfahren Sie im neuen VORWERK Thema „Die neue Einfachheit“, wie Sie ein bisschen Minimalismus in Ihren Alltag integrieren können. Wir haben Menschen besucht, die mit weniger leben, mit Experten gesprochen, die nützliche Tipps zum Aufräumen, Ordnen und Entspannen geben. Und wir haben Ernährungsratgeber aufgestellt, nach denen Sie nachhaltig und gesund kochen können.

Wir wünschen viel Freude beim Ausprobieren!

Ihr Vorwerk Social Media Team 

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18.01.2017

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