Vorwerk
Ratgeber Sharing Economy

Fünf Tipps zum Mitmachen

Übernachten bei Privatleuten, Parken beim Nachbarn oder Co-working in Innenstadtbüros: Sympathisanten der sogenannten „Share Economy“ bevorzugen eine Kultur des Teilens. Sie tauschen, teilen oder mieten statt zu kaufen und lernen dabei Gleichgesinnte aus der ganzen Welt kennen. Die Sharing-Economy-Plattformen der zahlreichen Internet-Startups helfen, sich untereinander zu vernetzen. Wir erklären in fünf Beispielen aus dem Alltag, an welchen Stellen dieser Collaborative Consumption Trend nützlich sein kann.

Tipp #1
Mobilität: Leihauto und Parkplatz aus der Nachbarschaft


Kommerzielle Anbieter wie „Cambio Carsharing“, „Flinkster“, „DriveNow“ oder „car2go“ ermöglichen es Stadtbewohnern, sich für eine bestimmte Zeit schnell ein Auto aus der eigenen Flotte zu mieten. Entweder an einer festgelegten Station im Stadtviertel oder an einer per App suchbaren Stelle in der Nähe des eigenen Standorts. Möglich auf „Drivy.de“ ist, dass Privatleute ihren Wagen zur Nutzung anbieten. Dieser – häufig ein Kleinwagen – kann dann von anderen schnell und einfach für die abgesprochene Nutzungsdauer gebucht werden. Der gesamte Mietzeitraum ist über eine Voll- oder Teilkasko, Haftpflichtversicherung und Schutzbrief abgesichert. 

Wer in der Stadt oder in der Nähe des Arbeitsplatzes jedes Mal Schwierigkeiten hat, einen freien Parkplatz zu finden, kann dies mit Hilfe einer Parking-App ändern. Anbieter wie „Parking List“, „Shared Parking“ oder „ampido“ zeigen freie Stellflächen von Privatbesitzern direkt auf dem Mobiltelefon an. Das können Parkplätze in oder vor Garagen sein, aber auch Stellflächen auf Privatgrundstücken. Die Idee dahinter ist, der Parknot und den überteuerten Tiefgaragenplätzen entgegenzuwirken. Die Parkgebühren für die privaten Stellflächen legt der Inhaber des Parkplatzes selbst fest. Er kann auch entscheiden, ob er seine Fläche stunden-, wochen- oder monatsweise vermieten möchte. 

Tipp #2
Übernachten: Privatzimmer in WG oder Haustausch mit Familien


Groß in Mode gekommen sind im Bereich der Sharing Economy private Übernachtungsmöglichkeiten. Ob für den geplanten Spanien-Urlaub oder einen Städte-Trip nach Paris: Immer mehr Menschen buchen Zimmer, Apartments oder ganze Häuser auf Internetseiten von Sharing-Diensten wie „airbnb“, „Wimdu“ und „9Flats“. Dabei handelt es sich nicht immer um Zweitwohnsitze der Besitzer. Viele Mitglieder nutzen auch ihre eigene Abwesenheit, um die Wohnung an jemand anderen zu vermieten und sich so ein paar Euro dazu zu verdienen. Ein weiteres Plus: Wer ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft oder im Haus einer Familie wählt, profitiert oft vom Insiderwissen der Gastgeber und erhält viele Tipps für die Freizeitgestaltung am Urlaubsort.

Ganz ohne Geld kommen die Wohnungstauscher auf „Homelink“ und „Global Homing“ aus: Besitzer einer Wohnung oder eines Ferienhauses stellen ihr Domizil kostenlos für andere Mitglieder zur Verfügung. Im Gegenzug können sie auch einmal Gratis-Urlaub bei ihrem Tauschpartner machen. Im direkten Kontakt werden vorab alle offenen Fragen geklärt. 

Tipp #3
Arbeiten: Mein Büro wird Dein Büro


Beim sogenannten „Co-working“ arbeiten alle zwar in der Regel alleine, aber gemeinsam in einem Büro. Die Seite „Coworking.de“ bietet eine Übersicht über alle Sharing-Angebote in Deutschland. Bei „AhoyBerlin“ kann man beispielsweise Räume oder Schreibtische in Berlin stunden- oder tageweise mieten. „Rockzipfel“ in München bietet Co-working mit Kindern, also Eltern-Kind-Büros an. Den Kleinen wird während der gemieteten Bürozeit eine Betreuung zur Seite gestellt. Das Arbeiten in der Bürogemeinschaft, dem Co-working Space, scheint ideal für Selbstständige, Studenten und kleine Startups: Niemand muss alleine zu Hause herumsitzen, man kann sich austauschen und gemeinsam Ideen sammeln. Fast so wie in einer Wohngemeinschaft, nur mit einer überwiegend beruflichen Komponente.

Tipp #4
Foodsharing: Nichts mehr wegwerfen


Ein Bund Möhren, zwei Joghurts, eine Packung Käse: Wer verreist oder von einer Party noch einige Lebensmittel übrig hat, kann sie mit seinen Nachbarn in der Umgebung teilen. Wer etwas zu vergeben hat, stellt die Information zum Beispiel auf „Foodsharing.de“. Interessierte können sich dann die angebotenen Speisen und Getränke einfach abholen. Auf den Verzicht von Foodabfällen macht auch die Seite „Mundraub.org“ aufmerksam. Allerdings geht es hier nicht um Reste aus dem Kühlschrank, sondern um freie Obst- oder Nussbäume. Die Idee: Jeder ist bestimmt schon einmal im Park an einem Früchte tragenden Kirschbaum vorbeigelaufen, ohne sich zu trauen, einige der Früchte zu pflücken und mit zu nehmen. Dabei sind manche Nutzbäume in der Stadt oder Kommune genau hierfür geschaffen worden. Die Seite verrät, welche Bäume in der Nähe Allgemeineigentum sind. Möglich ist auch, den eigenen, am besten frei zugänglichen Apfelbaum einzutragen, wenn man die Früchte im Sinne der Collaborative Consumption mit anderen teilen will.

Eine weitere Idee der Sharing Economy ist das gemeinsame Essen mit neuen Bekannten. Auf „Mealsharing.org“ finden Menschen zusammen, die gerne kochen und dinieren und obendrein neue Kontakte für Beruf und Freizeit knüpfen möchten. Vermittelt werden also private Gastgeber und interessierte Gäste. Der Preis für das Essen in der Privatwohnung liegt bei etwa zehn Euro und ist abhängig vom Menü. 

Tipp #5
Talente teilen: moderne Nachbarschaftshilfe


Jeder Mensch hat Talente, die für andere nützlich sein können. Diese kann man auf fairer, kostenfreier Tauschbasis zum Einsatz bringen. So die Idee der Plattformen „Exchange-me.de“ und „Talente.cc“, in einigen Regionen gibt es ähnliche Netzwerke auf lokaler Ebene (z.B. „tauschen-in-koeln.de“).
Ein Beispiel:
Rita, 42, backt gerne Torten. Sie hat einen großen Garten und wünscht sich, dass ihr ab und zu jemand bei der Pflege hilft. Also stellt sie ein Tauschangebot online. Margit ist 55 und hat einen grünen Daumen, der in ihrem kleinen Apartment mit Balkon nicht so richtig zum Einsatz kommt. Da sie ihre Kinder am Wochenende häufig besuchen, kommt ihr das Kuchenangebot von Rita gerade recht. Sie beide treten in Kontakt und vereinbaren einen Termin für ihren ersten Tausch.

Egal, ob Kuchen backen, Gärtnern, Nähen, Reparaturarbeiten oder Klavierunterricht: Das Beispiel veranschaulicht, wie einfach es ist, an der Sharing Economy teilzunehmen, Talente auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und Geld zu sparen. Wer keinen direkten Tauschpartner findet, kann auch in einen Tauschring zu Dritt eintreten. Manche Plattformen vergeben für erbrachte Dienstleistungen „Talentpunkte“, die man dann für den eigenen Bedarf bei einem anderen Tauschpartner einlösen kann.

Bei allen genannten Seiten mit Angeboten der Sharing Economy spielt natürlich auch die Bewertung der jeweiligen Angebote eine wichtige Rolle. Nur so kann man sehen, wie die Nutzer von anderen bewertet wurden und wie zuverlässig diese sind. Vertrauen ist dabei das oberste Gebot der Share Community.

  Weiterlesen 

Sharing Economy

Nutzen statt Besitzen: Die neue Lust am Teilen

Tauschen statt kaufen: die Geschäfte der Sharing Economy florieren. Wie nachhaltig die einzelnen Angebote sind, hängt jedoch von jedem selbst ab. Wir geben einen Trendüberblick.

Experten Ratgeber

Niedrige Wohnkosten oder kurze Wege in der Stadt?

Stadt oder Land. Viele, vor allem junge Familien stehen vor der Entscheidung wo sie in Zukunft leben wollen. Die Experten Claus-Christian Wiegandt und Barbara Malburg-Graf zu den Vor- und Nachteilen beider Entwürfe.

Kochformate

Käpt'n Cookooning

Gemeinsam, statt einsam. Der Berliner Koch Daniel Grothues lädt wildfremde Menschen zu sich nach Hause ein und kredenzt ihnen ein 5-Gänge-Menü. Warum? Das erfahren Sie hier.

  Mehr zum Thema