Vorwerk
Arbeitsteilung im Team Familie

Rollenverteilung im Haushalt: Der Spagat zwischen Beruf und Familie

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Frauen müssen einen Spagat zwischen Kind und Karriere hinlegen

Frauen übernehmen trotz Gleichberechtigung den größten Teil der Erziehung und Hausarbeit. Hinzu kommt oft noch ein Job in Teilzeit, während Männer weiterhin der Hauptverdiener in der Familie sind. Warum ist das so?

Ulrich B. arbeitet als Klinikarzt in Vollzeit in einer bayerischen Kleinstadt. Seine Frau Katharina ist Krankenschwester mit reduzierter Stundenzahl. Sie leitet zudem Pflegekurse. Wenn sie nicht in der Klinik ist, widmet sie ihre Zeit den zwei Söhnen. Einer von ihnen geht in den Kindergarten, der andere in die Grundschule. Sie putzt und wäscht, arbeitet im Garten. Ulrich hingegen wäscht das Auto und kümmert sich um Reparaturen. Das Kochen teilt sich das Paar, je nachdem, wer gerade Zeit hat. In der Freizeit reitet Katharina. Ulrich wandert dann mit den Kindern. Er radelt, wenn sich seine Frau um die Söhne kümmert. Viel Zeit für die ganze Familie bleibt kaum – nur an freien Wochenenden oder nach Feierabend.

Was Rollen und Arbeitsteilung angeht, ist diese Familie recht klassisch. Der Vater arbeitet. Die Mutter kümmert sich um Kinder und Heim. In 8,1 Millionen deutschen Kernfamilien, also Eltern mit mindestens einem Kind, sieht es ähnlich aus. Mit 36 Prozent entspricht laut Statistischem Bundesamt gut ein Drittel aller Haushalte Ulrichs Familie mit Vater, Mutter und zwei Kindern unter 18 Jahren. Viele Studien kämen zum gleichen Ergebnis, schreibt die Forscherin Rosemarie Nave-Herz in ihrem Buch „Familie heute“. In der Realität seien fast nur Frauen für den Haushalt zuständig.
 

Quelle: Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse, AWA 2015

Solange die Kinder noch nicht zur Schule gehen, ist der Alltag leicht zu organisieren. Sobald aus Kindern Schüler werden, kann es stressig werden. Familie und Schule müssen plötzlich aufeinander abgestimmt werden. Von da an fürchten viele Eltern zu versagen. „Die Angst, keine gute Mutter zu sein ohne zu wissen, was eigentlich eine gute Mutter ist, lässt viele Eltern beziehungsweise Mütter häufig Probleme, die es immer in der familialen Erziehung gibt, nicht mehr mit der angemessenen Ruhe, Geduld, ja Distanz betrachten“ schreibt Nave-Herz.

Und Claudia Solzbacher, Professorin an der Universität Osnabrück, hat herausgefunden, dass Kinder „ihre sozialen und leistungsbezogenen Erfahrungen aus der Schule in den familiären Alltag tragen“. Schulische Probleme können also zu innerfamiliären Konflikten führen. Es überrascht sie, dass viele Menschen Familienberatungsstellen aus genau diesem Grund aufsuchen.
 


Oft kommen Eltern, weil sie die Erledigung der Hausaufgaben belastet. Zwei von drei Eltern sehen sich gezwungen, die Betreuung der Hausaufgaben zu übernehmen. Meistens hilft die Mutter. Für Ulrich ist es normal, dass Katharina mehr hilft, weil sie weniger Stunden arbeitet und er oft nicht vor 19 Uhr zu Hause ist.
 


Wenn Ulrichs siebenjähriger Sohn mittags nach Hause kommt, erledigt er meistens von selbst seine Hausaufgaben. Zweimal pro Woche geht er in den Hort der Klinik, wenn seine Mutter im Dienst ist. Dort löst er seine Hausaufgaben und hat auch jemanden, der darüber schaut. „Zu Hause kontrolliert Katharina oft die Hausaufgaben“, erzählt Ulrich. „Ich eher selten.“ Pro Tag wendet die Familie etwa eineinhalb Stunden für Hausaufgaben auf. 

Sehr schwierig sei es, Zeit füreinander zu finden. „Uns ist es wichtig, dass wir jeden Abend miteinander sprechen“, sagt Ulrich. Sobald die Kinder um 19.15 Uhr im Bett sind, hat das Paar Zeit für sich allein. 

Da Kinderbetreuung aufwendig ist, reduzieren viele Frauen die Arbeitszeit, bis die Kinder auf eine weiterführende Schule gehen. Beruf und Familie, das ist nicht immer einfach. Immer noch ist der Ehemann Hauptverdiener in fast zwei Drittel der deutschen Haushalte. Nur in knapp einem Drittel der Haushalte verdienen beide Partner annähernd gleich viel. 

Als Herausforderung kommt hinzu, dass viele Frauen Karriere machen wollen. Auch Katharina muss sich stets fortbilden, denn ihr Arbeitgeber erwartet das. Berufliche Termine bespricht sie mit Ulrich, besonders dann, wenn der neue Dienstplan herauskommt. Am Kühlschrank sind alle Dienst- und Schulzeiten sowie Geburts- und Wandertage genau notiert. 

Generell müssen junge Mütter oft einen Spagat zwischen Familie und Beruf hinlegen, worauf weder Arbeitswelt noch Familie Rücksicht nehmen, so die Familienforscherin Rosemarie Nave-Herz. Sie liefert ernüchternde Fakten. Frauen könnten sich nicht voll beruflich einsetzen, da sie angesichts fortbestehender geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung auch heute noch überwiegend für den häuslichen Bereich verantwortlich seien. Obwohl seit langem bekannt, habe sich wenig geändert, abgesehen von politischen Appellen, wissenschaftlichen Gutachten, Modellversuchen, von familienpolitischen Gesetzen und Maßnahmen.

Die Rolle der Männer im Haushalt

Doch inwieweit unterstützen Männer die Familie im Haushalt? Lothar Böhnisch, emeritierter Professor für Sozialpädagogik und Sozialisation der Lebensalter an der TU Dresden, erklärt die Rolle der Väter so, dass die meisten Männer selten vorbereitet seien, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Die innerfamiliale Rolle wäre ihnen aus verschiedenen Gründen bisher verwehrt gewesen; ihnen fehlen die entsprechende Erfahrung und noch immer die öffentliche Anerkennung einer solchen zweiten Rollenexistenz. 

Das würde sich bei vielen Männern in der Spannung zwischen Wunsch und Verwehrung äußern: In Umfragen gebe eine Mehrheit von Männern an, in der Haus- und Erziehungsarbeit engagiert zu sein, es aber gar nicht so zu können, wie sie es sich wünschten. Denn sie seien nachweisbar beruflich stark eingespannt. Auch geben Männer häufig fehlendes Geschick als eine mögliche Entschuldigung an, schreibt Nave-Herz. 

Karriere und ein Kind

Bei den heute 20- bis 35-jährigen Frauen – der sogenannten Generation Y – wird indes klar, dass sie Beruf mit Familie verbinden möchten. Das hat Jutta Allmendinger, Professorin an der Berliner Humboldt-Universität herausgefunden. Sie führte für die Zeitschrift „Brigitte“ zwischen 2008 und 2013 zwei Vergleichsstudien durch. Allerdings klappt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zumindest bei einer Vollzeitstelle ab dem zweiten Kind nicht mehr so gut. Das schaffen nur wenige gut Verdienende, da sie eine Haushaltshilfe beschäftigen. Daher würden viele Paare nur ein Kind aufziehen und das erst recht spät.

Teilzeitarbeit als vermeintlicher Ausweg

Viele Frauen versuchen diesem Dilemma durch Teilzeitarbeit zu entgehen. Eltern, vor allem Mütter jüngerer Kinder haben tendenziell eine etwas höhere Teilzeitquote als der Durchschnitt. Sobald das jüngste Kind das 15. Lebensjahr überschreitet, sinkt die Teilzeitquote der Mütter deutlich unter den Durchschnitt. Durch die Doppelorientierung Beruf und Familie hätten sich Frauen aber auch den Vorwurf eingehandelt, egoistisch gegenüber ihren Kindern zu sein, sagt Nave-Herz, zu wenig bereit, sich den Ansprüchen der Familie unterzuordnen. Doch das sei nicht haltbar, so die Forscherin.

Arbeitsteilung im Haushalt: Männliche und weibliche Aufgaben

Und was tut sich bezüglich der weiteren Arbeitsteilung? Laut Statistischem Bundesamt haben Frauen 2012/2013 mit 29,29 Stunden zehn Stunden mehr im Haushalt gearbeitet als Männer. Alleine 20 Stunden entfallen auf Putzen, Waschen, Küche, Einkaufen und Haushaltsorganisation. In fast allen Bereichen arbeiten Frauen mehr als Männer, nur nicht beim Ehrenamt sowie in Handwerk und Garten. Auch fällt bei den Frauen auf, dass gegenüber 2001/2002 etwas weniger Zeit für Haushalt und Familie aufgewendet wird – insbesondere für die Küchenarbeit sowie Waschen und Putzen. Es ist bekannt, dass Haushaltshilfen dies übernommen haben.
 


2014 fragte das Institut für Demoskopie Allensbach Eltern nach ihren Vorstellungen bei der Kinderbetreuung: 74 Prozent der Väter übernehmen weniger als die Hälfte der Kinderbetreuung, davon 37 Prozent etwas weniger als die Hälfte und weitere 37 Prozent nur einen kleinen Teil oder kaum etwas. Diese Aufteilung wird den Idealvorstellungen vieler Väter und Mütter nicht gerecht: 52 Prozent der Väter würden am liebsten die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen, 29 Prozent der Väter würden sich wenn möglich auch im Alltag mehr um ihre Kinder kümmern. 

Ein Drittel der Mütter wünscht sich bei der Kinderbetreuung, dass ihr Partner sie mehr unterstützt. „In der Woche kümmere ich mich eine Stunde am Tag um meine Kinder, am Wochenende sechs Stunden“, sagt Ulrich. Am Samstag haben zum Beispiel alle Fußball gespielt. Den Sonntag verbrachten sie auf einem Abenteuerspielplatz. Die Fahrten zu Kindergeburtstagen oder Fußballturnieren berechnet er dabei nicht.

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